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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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natürlicherweise nicht darüber aussprcchen konnte, so muß man sichans allgemeine Beanstandungen beschränken. Hieher zähle ich z. B.eine Überschreitung des Kostenübcrschlags hinsichtlich der Taglöhnein Folge der durch den gleichzeitigen Festnngsbau von Ulm eintreten-den Nachfrage nach Arbeitern, ein Umstand, der auch die Landwirth-schaft mehrere Jahre lang unangenehm affiziren muß. Ferner istmir auffallend, daß für die Albbahn keine stärkeren, also theurerenMaschinen beantragt sind, als für die Heilbronner Bahn, da einegewisse Transportmasse,'um Steigungen von 1 : 150, zumal in solanger Erstreckung, zu passire», entweder schwere oder eine größereZahl leichter Maschinen nöthig macht. (Vergl. die obige Tabelleüber die Leistungen der Zugkraft verschiedener Maschinen auf ver-schiedenen Bahnneigungen, S. 56). Auch über den Ankaufspreisder Lokomotiven kann ich nicht ins Reine kommen. Von einem In-genieur, welcher für eine französische Bahn in England selbst Bestel-lungen machte, erfahre ich, daß 1415000 sl. reichen, dagegen be-rechnet der badische Voranschlag 29377 fl. per Stück sammt Tender,und in der effektiven Kostenrechnung (Gescbäftönachweis S. 23) findeich 27620 fl. ausgeworfen: nämlich 20520 fl. Ankauf und 7100 fl.Verpackung, Transport, Zoll w. Und doch können diese Maschinenbei den günstigen Neigungsverhältnisscn der Heidelberg -MannheimerBahn nicht zu den schwereren gehören. Oder sollten in diesen Ma- .schüren noch anderweitige nicht genannte Posten stecken? Fernerheißt es in der Ertragsberechnung:Strecken von 1 : 150 bedürfenkeiner Zugkraft." Allerdings abwärts, aber aufwärts die doppelte.Auch kann man die Heizung nicht so schnell einstellen, daß nicht ein großerTheil des Brennmaterials beim Hinabgleiten verloren gehen müßte.Ging aber die Ertragsberechnnng von der Voraussetzung aus, daß dieschwersten Lasten sich in der Richtung nach Ulm zu bewegen haben,so ist immerhin das Aufsteigen bei Geißlingen mit einer Steigung derBahn von 1 : 150 auf einer Strecke von mehreren Stunden außerAcht gelassen. Der Posten für mechanische Werkstätten und de-ren Einrichtung fehlt, da man, zufolge der Ertragsberechnung, dieAbsicht zu haben scheint, die Reparaturen durch Private ausführen zulassen. Ich bemerke dieß nur, um die Ansicht anzuknüpfen, daß dieRegierung diese Ausgabe vollends nicht scheuen sollte (in Baden sind66000 fl. dafür beantragt), da sich vielleicht mancherlei gemeinnützigeZwecke hinsichtlich des technischen Unterrichts damit verknüpfen ließenund mechanische Privatinstitute kaum wohlfeiler arbeiten werden.

Ich gehe zu der Bahndirektion über. Man hat auch,mehr oder minder laut und bestimmt, die Richtungen der ProjektilenBahnen zu befprechen angefangen, und das Publikum trägt sich indieser Hinsicht mit Gerüchten, welche ich zur Ehre des Landes alsVerleumdung ansehen will. Es heißt nämlich, daß gewisse. Bezirkeund Städte ihren Deputieren für den Fall: daß die Regierung sienicht ebenfalls mit einer E.B. bedächte, stillschweigende Mandate ver-