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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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138
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vrtsangeh. Hiernach modifizirt sich, wenn der Korresp. der Allg.Zeitung vom 27. Sept. 1841 schreibt:Im Hinblick auf die lediglichlokalen Interessen ist es nur billig zu sagen, daß jene stark bevölker-ten, gewerblichsten Thäler der Rems , des Kochers (der Kocher istnur mit circa zwei Stunden seines Quelllaufs betheiligt) und derBrenz weit höhere Berücksichtigung verdienen müßten als die Alb-region." An der Alb ist freilich nichts zu berücksichtigen; sie ist einfataler Durchgangspunkt, aber immer noch die kürzeste Brücke zurVerknüpfung von Bezirken, welche, im Interesse des ganzenLandes, vorzügliche Berücksichtigung verdienen, znr Verbindung vonOberschwaben und Unterland. Es tritt oft der Fall ein, daß mandie Ufer eines Flusses an der Stelle seiner größten Breite oder ansonst schwierigen Punkten durch eine Brücke verbindet, weil nur hiergroße Städte auf dem kürzesten Wege mit einander verknüpft oderwichtige Verkchrsverhültnisse etablirt werden können, während viel-leicht anderswo, in weiterer Entfernung, die günstigsten Flußüber-gänge, aber mit Beeinträchtigung der beabsichtigten Zwecke, zu erlan-gen gewesen wären. Aus diesem Gesichtspunkte betrachte ich auchden Uebergang über die Alb.

Fassen wir nunmehr die Punkte zusammen, welche eine Rems -Brenzbahn äm Vergleich zu einer Albbahn minder tauglich machen,die allgemeinen und besonderen Zwecke zu erfüllen, denen eine württ.E.B. entsprechen soll.

1) Sie ist länger und nickt ohne sehr empfindliche lokale Schwie-rigkeiten, darum kostspieliger als eine Albbahn.

2) Sie beraubte Kannstadt seines Stapels und seiner Spedition,da Reisende und Güter, welche vom Rhein nach der Donau , nachNürnberg , Regensburg , Augsburg streben, gleich bei Mühlhausen oder Aldingen den Neckar passireu und auf die Remsbahn übergehenwürden. Die nothwendige Folge wäre die Nebersiedlung von Ge-schäftsleuten, Hallen, Lagern rc. .nach jenem Punkte, der Verlust nichtunbedeutender Kapitale und eine äußerst fühlbare Beeinträchtigungder Interessen Kannstadts.

3) Sie beraubte, wenn auch von Sontheim nach Ulm fortgesezt,diese Stadt ihres Stapels und verlegte denselben in eine der baier-schen Donaustädte, so daß Ulms Schiffahrt und seine Spedition nachBaiern und Oestreich vernichtet wäre und nur noch der Verkehr nachdem Bodensee übrig bliebe.

4) Sie gewährte hinsichtlich der Entfernungen in allen Verkehrs-beziehungen zwischen Rhein und Donau keine größeren Vortheile alseine Albbahn, und verbände das Unterland mit Oberschwaben aufeinem Umwege von 1116 Stunden.

5) Sie entbehrte vermöge des Verhältnisses ihrer Länge zur an-und umwohnenden Bevölkerung der Aussicht auf Ertrag und würde,wenn auch nach Ulm verlängert, immer noch einen Theil des nach Ulm bestimmten Transports der nähern Chaussee überlassen müssen, da sie