1»s
ihre Fahrpreise nicht unter 2 st. 30 kr., die Güterfracht nicht unter20 kr. stellen könnte: Kosten, zu welchen Personen und Waaren ge-genwärtig schon von Kannstadt nach Ulm gelangen können. Um soMehr wäre diese die Frequenz der Bahn schwächende Konkurrenz zufürchten, als die Staatsregierung kaum umhin könnte, die Bewohneri>er Ulmer Route für den Verlust ihres bisher genossenen Verkehrsdurch Verbesserungen der Chaussee zu entschädigen, um auf dieserRoute wenigstens den Verkehr mit Öbcrschwaben und dem Bodenseczu beleben und zu erleichtern, so daß nicht nur neue Ausgaben fürChausseekorrektionen, welche eine Albbahn im Gegentheil in Erspar-nisse verwandelte, veranlaßt, sondern auch ein auf beiden Routenkränkelnder Verkehr hervorgerufen würde. Der Ulmer Route wäreder größte Theil ihres Verkehrs entzogen, die RcmS-Brenzthalerkönnte nicht aufkommen.
6) Sie machte eine totale Reform aller das Rems -, Kocher- undBrenzthal umgebenden Kommunikationen nöthig, neue Straßenrich-tungen bis in weitere Ferne hin, neue, bequemer einmündende Sei-tenlinien, also einen neuen sehr bedeutenden Aufwand: Veränderun-gen, welche bei einer Albbahn gänzlich wegfallen, da hier seit altenZeiten der Seitenverkehr sich in festen Geleisen rcgulirt und dieeinmündenden Kommunikationen, selbst die entferntesten, sich mit demgroßen , das ganze Land durchziehenden Straßenstamme in die be-quemste und zweckmäßigste Beziehung gesezt haben.
7) Sie ist endlich — um das lezle Wort zu sagen — nahezueine Unmöglichkeit, nachdem es sich ergeben, daß von Sontheimnach Ulm durchweg auf baierschem Gebiete gebaut werdenwüßte, da eine an den Abdachungen der Alb hin und über dieLangenaucr Moose geführte E.B. mit einem unverhältnißmäßigenKostenaufwand verknüpft wäre. Ohne Ulm aber wäre, freigestanden,eine Rems-Brenzbahn ein Körper ohne Haupt, und wie Jeder leichterkennt, ein Unternehmen, bei welchem Baiern 75, Württemberg 25Prozent Vortheil besäße.
Untersuchen wir dagegen die Momente, welche für eine Alb-n sprechen.
1) Eine württemb. E.B. hat schwierige Aufgaben zu lösen. Siesoll, die wichtigsten Verkchrsbeziehungen des Landes, ausländische undinländische, in sich vereinigen, einem allgemein deutschen Interesseund den besonderen kommerziellen Bedürfnissen des Landes dienen,ne soll beide Zwecke mit den geringsten Geldopfern, d. h. auf demkürzesten Wege erfüllen.
Erörtern wir zuerst die ausländischen Verkehrsbeziehungen, sokommen in kommerzieller Hinsicht folgende Hauptrichtungen in Be-tracht (Memmingec Beschreibung von Württemberg S. 487):a. von Ulm über Freudenstadt und von Heidenheim über Heil-bronn, für die Güterzüge von Oestreich und Baiern nach Frank-reich, Rhein rc.