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wie man es sonstwo selten trifft; daher der in manchen Gegenden gar-tenmüßige Betrieb der Landwirthschast; daher das unermüdete Wan-dern von Markt zu Markt, die besonnene Spekulation auf gute Ab-satzorte, wobei auch der längste Weg nicht gescheut wird. Der Kor-respondent der Allgemeinen Zeitung vom 28 . Sept. schreibt: „Be-kannt ist Württemberg als das Land einer trefflichen und ergiebigenViehzucht (namhafter Gegenstand seines Aktivhandels). Nicht inkonzcntrirtcn Hecrden von Hunderten und Tausenden findet hier die-ser volksthümliche Betrieb Statt. Selbst der kleinste Eigenthümer,Besitzer von oft nur l Morgen Land, läßt in sorglichem Zusammen-wirken aller Glieder der Familie sein vornehmstes Bestreben dahingerichtet seyn, auch für sich an diesem Hauptzweige des landwirth -schastlichen Schaffens Theil zu nehmen. Wie oft nur wandert das-selbe Thier aus einem Stall in den andern als Kalb, Rind, Kalbel,Kuh und Mastvieh, bevor es seinem endlichen Schicksale überwiesenwird. Tägliche Viehmärkte, Bauern, Juden und Thiere aller Gat-tungen auf allen Wegen und Stegen. So das Gleiche durch alleRubriken; denn gebieterisch drängt hier die Nothwendigkeit, daskleine Kapital des kleinen Mannes durch unverdrossenen Fleiß unddurch mannigfache Industrie zu höherem Zins umzutreiben." — Istdieß wahr, so brauchen E.B.B. in dem württ. Dorfbewohner „einemit seinem Berufe unvereinbare Reiselust" nicht erst zu erregen, sondernsie kommen vielmehr seiner durch die wirthschaftliche Lage ihm aufer-legten Reisenothwendigkeit auf die entsprechendste Weise entgegen; obsie „den Hang zum Müssiggang und zum Spekuliren (ohne ArbeitGeld gewinnen) in ihm nähren werden," das wollen wir geruhig ab-warten. Vor der Hand steht fest, daß wir in unserm Württemberg eine Menge Spekulanten haben, ;. B. Landleute, welche ihr Obstviele Stunden weit her nach Stuttgart , Ulm , Augsburg und Mün chen , ihr Gemüse, namentlich Kohlhäupter, nach Pforzheim , Karls ruhe rc. bringe»; Butter--, Schmalz- und 'Eier-Männer und Weiber,welche zu Dutzenden unter schweren Lasten nach den Märkten ziehenund nicht selten schon um Mitternacht zu Hause aufbrechen müssen,um zu rechter Stunde die Stadt zu erreichen; Holzbauern, Stroh-undHeu-Bauern, Getreide-Bauern, die jede Woche ein paar Tage ver-spekulircn: kurz lauter Spekulanten — auf gute Waaren-preise — mit viel Schweiß und Arbeit.
So sehe ich denn nicht ein, warum der württ. Landwirth nichtebenso wie anderwärts die E.B. für seine Zwecke mit Nutzen solltegebrauchen können; sehe die Gefahr nicht ein, welch? sein Fleiß, seinebisherige Rührigkeit laufen sollte, wenn er eine wohlfeile Transport-gelegenheit bekömmt, die ihm die Last von Kopf und Rücken nimmtund ihn künftig in den Stand sezt, entferntere Märkte zu Wagenstatt zu Fuß aufzusuchen. Es liegt eine gewisse Härte darin, wennman meint, jede Erleichterung, welche den schweren Geschäften desLandmanns zu Theil werde, müsse ihn alsbald zur Faulheit und zum