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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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lvohnern von Hedelfingen und Wangen allerdings nichts nützen,wenn sie nach Stuttgart oder Eßlingen verkehren, so können sie sichdoch der E.B. bedienen, wenn sie z. B. ihr Obst, ihre Trauben w.nach Göppingen oder Ulm zu Markt bringen wollen; so nützt dieE.B. doch den Bewohnern von Obereßlingen, Zell, Reichenbach w.,von Nellingen , Denkcndorf, Köngcn, Kirchhcim w., die sämmtlich mitStuttgart in Verkehr stehen also den entfernteren. Aberderwürtt. Bauer entfernt sich nicht oft und nicht weit von seinem Wohn-orte, weil er zu Hause hinreichend beschäftigt ist. Seine Reifen be-stehen gewöhnlich darin, daß er seine Produkte zu Markte bringt unddaß er seine Bedürfnisse in der Stadt holt." Der Verfasser scheinthier aus gemachter Erfahrung zu sprechen; leider habe ich die ent-gegengesetzte Erfahrung gemacht. Auf dem Wege der Erfahrungwerden wir uns also wohl gegenseitig nicht überzeuge», so will ich'sauf andern, Wege versuchen. Man denke sich ein Land, wo derGrundbesitz in große Güter zerfällt und dem Bebaucr weite FlächenKulturlandes zu Gebot stehen, aus welchen er mit Leichtigkeit denausgiebigen Bedarf für seine Familie und das Gesinde des Hauseserzeugt; man denke sich ein reines Ackerbauland, wie Ungarn , Galli-zien, Rußland , Polen . Welche Aufforderung, welchen Reiz möchtehier der Bauer haben, seinen Wohnort zu verlassen und entfernteAbsatzorte aufzusuchen? Er hat ja, was er braucht, in Küche undKeller; wozu reisen, und sich um einen Absatz bemühen, den er nichtnöthig hat, den ihm der Jude, der Armenier erleichtert, welcher zubestimmten Zeiten erscheint, um die Getrcidekeller zu visitiren, dieHeerden zu beschauen und, viel ihm ansteht, aufzukaufen? DerBauer bemüht sich daher im wörtlichen Sinne dort nicht zur ThüreRnaus und bleibt Jahr aus Jahr ein an der Scholle kleben, mit der^ wirthschaftlich und politisch verwachsen ist. Kein Bedürfniß nachMittheilung, nach Austausch irgend einer Art; Straßen fehlen, derVerkehr gleich Null, wenn wir ihn mit dem Verkehre wohlbevölker-Er Länder vergleichen, in welchen neben Landwirthschaft eine mehr"der minder ausgebildete Industrie blühn Ein ganz anderes Bildvorn Landmann geben Staaten, wo der Grundbesitz in kleine Par-Ellen aufgelöst erscheint, deren Anbau nur mit dem eifrigsten Fleißeeinen Neberschuß über den eigenen Lebensbedarf gewinnen läßt, wel-cher zur Bestreitung der übrigen Bedürfnisse, der Kleidung, Bildung,beS Vergnügens, aufgewendet werden kaun; wo eine große Mengevon kleinen Wirthen ihre Erzeugnisse auSbieten und mit EmsigkeitMf jede Gelegenheit, auf jeden Markt spekuliren, welcher Hoffnunggibt, die Waare zn guten Preisen an Mann zu bringen. Hier wird°er Bauer zum mobilen Handelsmann und so ist's bei einemEhr großen Theile der landwirthschaftlichen Bevölkerung in Würt-teinberg. Bekanntlich ist hier das Grundeigenthum bereits bis zuAne», gewissen Grade von Parzellirung vorgeschritten: daher dieRührigkeit im Schaffen und Treiben der vielen kleinen Landwirthe,