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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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hat Württemberg ein störendes Uebergewicht der hohen Fabrikationnoch nicht zu befürchten; auch wird der Uebergang, wann immer erherannahen möge, nicht so rasch vorwärtsschreiten, da er ein Gegen-gewicht in den landwirthschastlichen Interessen hat, in welche selbstunser Manufakturist durch den gleichzeitigen Besitz von Grundstückenmit verflochten ist. Und so bedünkt mich, dürste unser Land jenemGeschicke erst dann anheimfallen, wann die Erfahrung anderer Staa-ten gegen die Gefahren und das Unglück einer besitzlosen Proletarier-bevölkerung bereits Heilmittel entdeckt hat: denn man vergesse nicht, daßdie Regierungen Englands und Frankreichs erst seit einigen Jahrenanfangen, den staatsbürgerlichen Zuständen der Fabrikbevölkerung ihreAufmerksamkeit zu widmen nnd auf gesetzlichem Wege die Gränzender Leibeigenschaft dieser Volksklasse festzustellen. Bis jezt ein un-organischer Theil des bürgerlichen Vereins, wird diese Volköklasse imLaus der Zeit eine bürgerliche Stellung gewinnen und mit dieseraufhören, der Ruhe der Staaten gefährlich zu seyn. Die Regierun-gen werden sich genöthigt sehen, ihr dazu behülflich zu seyn, und anihr selbst wird es liegen, durch wirthschaftliche Associationen, sey esnach Fourriers oder Owen^ Art, die individuelle Existenz zu sichern.Eine Leibeigenschaft liegt nicht mehr in den Sitten der Zeit; dieöffentliche Vernunft und Moral sind zu weit vorgeschritten, als daßich glauben könnte, der moderne JndustrialismuS werde eine neueSklaverei begründen. Der neuere Staat, so wie er wenigstens inDeutschland aufgefaßt wird, hat zu viele Attributionen und Instituteder Kirche in sich aufgenommen, ist von Grundsätzen der Humanitätzu sehr durchdrungen, als daß er Zustände, welche die Kirche deSMittelalters nur zu mildern vermochte, aufs Neue sich sollte erzeugenlassen. Der moderne JndustrialismuS wird daher keinen bleibendenMißton in der Gesellschaft bilden können; er muß sich früher oderspäter mit derselben in Uebereinstimmung setzen.

Es bleibt mir noch übrig, die Modalitäten jeder der drei Bahn-sektiönen im Besondern ins Auge zu fassen und auf die Verkehrs-elemente aufmerksam zu machen, die jeder derselben zufallen dürften.

1) Sektion Pforzheim - oder Bruchsal -Kaunstadt.Der aus dieser Route gegenwärtig bestehende Verkehr kann durchauskeinen Maßstab für den künftigen abgeben, da ein großer Theil desbisher vom Neckar über Heilbronn und Heidelberg nach dem Rhein hin und umgekehrt sich bewegenden Transports der E.B. zufallenmuß. Die ganze Strecke von 15 Stunden bewegt gegenwärtig nichtweiter als 39000 Personen, 131615 Ctr. Merkantilwaaren, 16620^Ctr. Produkte, zusammen 297819 Ctr. Einen nicht unansehnlichenZuwachs erhält die Route dadurch, daß sie Ludwigsburg in sich be-faßt ; den bedeutendsten, und einen wie mir scheint, für ihre Ertrag-barkeit entscheidenden Zuwachs erhielte sie durch eine Verbindung mitHeilbronn , dessen Rayons ohne alle Frage die günstigsten Bevölke-rungs- und Verkehrsverhältnisse darbieten, nämlich 101000 Personen