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gemein hat, daß es nur von starken Naturen und in kleinen Dosenertragen werden kann.
Papiergeld gewährt mancherlei Vortheile. Man fabrizirt esbillig, man zählt es schnell, transportirt es wohlfeil und verwahrtes bequem; man erspart sich Wechsel im Anlande, die immerhinetwas kosten, man erspart sich die Arbeit und Kosten, mit welchenman Geldmetalle kauft. Allein eö hat auch mancherlei Nachtheile.Seine Basis ist der Kredit der Emittenten; leidet dieser, so erfolgteine größere oder geringere Entwerthung, welche die größten Verluste,Stockung des innern Verkehrs und Benachtheiligung des äußern Handelsnach sich zieht. Papiergeld vertreibt ferner nothwendig diejenigeQuantität Metallgeld, welche neben den Zetteln in der Cirkulationkeine Beschäftigung mehr findet, so daß letzteres ins Ausland abfließt.Es ist daher von höchster Wichtigkeit, daß man die Münrsnrrogirunggenau auf den Bedarf an Umlaufsmitteln, der mit den üblichen Geld-stücken nicht so gut befriedigt werden kann, und auf den Bedarf derKaufleute und Fabrikanten beschränke. Zu dem Ende hat man dieGränze jenes Bedarfs aufzusuchen, welche theils im Umfang der In-dustrie und des Handels, theils in der cirkulirenden Baarschaft ge-funden werden kann. Die Summe des umlaufenden baaren Geldesin Würtemberg kann nun mit ziemlicher Genauigkeit auf 36—40 Millio-nen Gulden angegeben werden. Dieß stürzt aber, wie man sieht,mit Einem Schlage die Meinung derer, welche die E.B. mit lauterPapier gebaut wissen möchten. 20 Millionen Papiergeld stempelnund in Umlauf setzen, hieße 16—17 Millionen Metallgelv aus demLande jagen, und den Ruin des Landes' stempeln. Dagegen geschähe,wie mir Geschäftsleute versichern, dem Handelsstande mit 3—4 Mil-lionen Zetteln ein Gefallen: auch wäre damit weder Gefahr der Ent-werthung noch eine fühlbare Erpulsion von baarem Gelde verknüpft.Natürlich müßte aber auch diese Summe nicht für den Kleinhandelbestimmt, sondern in Zetteln von 3—5 fl. Werth emittirt werden,damit dem Volke Verluste (durch Wasser oder Feuer) erspart werdenund nur gerade die entbehrliche Münze sich ins Ausland mache.
Demnächst dürste sich fragen, ob man die Emission von Papie-ren gleich oder erst später vornehmen solle. Faßt man den Umstandins Auge, daß man sich bis zum Ausbau und zur Benützung einergewissen Bahnstrecke Zinsen erspart, so scheint die alsbaldige Emissionam Platze zu seyn.
Nur unter der oben genannten Beschränkung kann ich dem lufti-gen Elemente des Papiergelds Geschmack abgewinnen, und finde ichseine Emission gerechtfertigt und ungefährlich. Wozu man sich aberentschließen wird, ob zu Metall oder Papier, so mag es uns bei denbevorstehenden großen Opfern zu einiger Beruhigung gereichen, daßjene Millionen großentheils einer Bevölkerung in die Tasche fallen,welche am schwersten mit Schulden belastet ist und in unserm Klimanahezu dem unsichersten Erwerbe obliegt: unseren Weinbauern, deren