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werthig, in ihrem Aussehen und Verhalten bei der Keimung aber weit verschiedensind. Nur die in der Alitte des Häufchens gelegenen Sporen, oft grösser und dunklergefärbt als die peripherischen, sind keimfähig, die anderen äusseren keimen nicht ausund sind nach ihrem Aussehen inhaltsleer. Man kann sie als Hiillzellen nachihrem sterilen Verhalten bezeichnen, oder, wenn man den gleichen Ursprung betonenwill, als nicht keimfähige Nebenzellen (Fig. 1 —3 u. 0—10 Taf. XI). Zwei-fellos lieii't hier in der einfachsten und übersichtlichsten Art die Differenziruno*eines fruchtartigen 8 porenhä ufch en s in einen äusseren sterilen und ineinen inneren fertilen Tlieil vor.
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Urocystis occulta Wallroth auf Secale cereale.
Der sogenannte Stengelbrand des Roggens ist eine nicht seltene Erscheinung inden Getreidefeldern. Er ist an einzelnen Stellen häufig, besonders in einzelnen Jahren.Die Sporenlager finden sich in den parenchymatischen Geweben der jungen Axen,ilie einschliesslich der verkümmerten Infloreseenzen mitunter von dem schwarzen Brand-lager eingenommen sind. In jedem Sporenhäufchen sind meist nur zwei, seltener maldrei Sporen vorhanden, von den Nebensporen mehr oder weniger ganz umhüllt (Fig. 1 sp.).Die dunkel-braunen Sporen keimen in Wasser leicht aus zu einem mehr oderminder langen, einzelligen Schlauche, der sich an der Spitze in 4—(5 Quirläste ver-zweigt (Fig. 11 — 3 ). Diese liegen, wie schon lange beobachtet und z. B. bei R. Wolff 1 ')gezeichnet ist, anfangs dicht zusammen, breiten sich dann aber aus, in dem Masse,als sie sich durch Spitzenwachsthum verlängern. Mit dieser Verlängerung treten untenim Fruchtträger lvammerungswände auf, die nach oben fortsehreiten mit seiner Entleerungan Protoplasma. Die Kammerung greift dann auch auf die sich verlängernden Quirl-äste über, diese wachsen weiter aus bis zur endlichen Erschöpfung (Fig. 13 ). Diesämmtlichen Keimungen des Pilzes verliefen gleich, die Quirläste, die in derStellung den Fadenconidien von Tilletia entsprechen, fielen niemals ab, trieben vielmehrauf dem Fruchtträger als natürliche Verzweigungen von diesem zu sterilen Fädenaus. Auch durch den Einfluss von Nährlösungen änderte sich die Form derKeimung nicht, die Quirläste trieben nur üppiger aus, verzweigten sich im weiterenVerlaufe, wie es Mycelien tliun, und endeten schliesslich in einer Summe von inhalt-erfüllten Vegetationsspitzen auf rückwärts gekammerten inhaltentleerten Fäden, —aber stets ohne Bildung von Conidien. Ich habe es hierbei nicht an Unter-stützung in der Form der Cultur fehlen lassen, damit die Spitzen die Luft erreichten,um etwa hier fructificiren zu können; es geschah dies aber niemals. Es ist hiernachwohl als sicher anzunehmen, dass keine freie Conidien gebildet werden, es frägt sich
M Wolff, Brand des Getreides, Halle 1874. Tafel II.