Abplattung. Die Untersuchung der Form unserer Erde hat schon inden frühesten Zeiten zu sehr scharfsinnigen Beobachtungen und unmittelbarenErdmessungen Veranlassung gegeben. Die ältesten Arbeiten der Art scheinenvon Eratosthenes 400 Jahr v. C. G. gefertiget zu seyn, die 100 Jahrspäter von Hipparchus geprüft und uns durch Strabo und PliniuSbekanntworden sind. Nach Posidonius ISO Jahre v. C. G. wurde dieRundung der Erde zu 240,000 griechischen Stadien angegeben und dann nachVerlauf von 827 Jahren finden wir erst wiederum Nachrichten, daß unterdem Califcn Al - Mamon in den Ebenen von Sindschar zwei Meridian-grade unmittelbar ausgemessen worden sind, welches anfänglich ein Resultatvon 56 arabischen Meilen auf einen Grad und bei geprüfter Messung von 564solcher Meilen jede zu 58,762 französischen Klaftern gab. Räch einem langenStillstände wurden erst wiederum im Jahr 1550 von Ferne! in Frankreich und bald darauf von Clavius, Kepler und Cassini dem ältern, Ver-suche zu genauer Bestimmung der Form der Erde gemacht.
Das 17te Jahrhundert zeigte hierauf mehrere glückliche Versuche vonSnellius, Muschenbroek, Norwood, Riccioli, Picard,Cassini d. j. und Maupertuis in verschiedenen Ländern, unter denensich die hier zuletzt genannten Männer besonders hervorthaten. Wichtigwurde Cassini, indem er die Picardschen Triangulär-Verbindungen zwischenAmiens und Dünkirchen fortsetzte, den Unterschied der Breite beider Ortezu 2° 12' 9" angab, hiernach bestimmte, daß auf einen Grad dieses Mittags-kreises 56,960 Toisen gehen, und das Verhältniß der Erdaxe zum Durch-messer des Aequators wie 95 zu 94 sey, und hieraus folgerte, daß dieErde gegen die Pole hin länglich sey. Diesem widersprach aberNeutons auf physikalischen Gründen beruhende Annahme. Diese ganz voneinander abweichenden Meinungen wurden erst durch die von Bouguer undMaupertuis in den Jahren 1735 bis 1744 geschehenen sehr sorgfältigenGradmessungen in Peru und Lappland entschieden. Es fiel das Resultat völ-lig für Neutons Theorie aus, denn der nahe am Aequator gemessene Gradwar um 321 Toisen kleiner, als der französische und um 669 kleiner als derlappländische, woraus sich die Zunahme der Grade gegen die Pole und dieAbplattung der Erde unter selbigen vollständig ergab. Nach spätern astrono-misch-physikalischen Untersuchungen, besonders nach den beobachteten Pendel-längen, wurde die Abplattung an den Polen zwischen f $ a und T l- r des Ae-quatorialdurchmessers gesetzt, und das Mittel T J y angenommen. Stach neue-ren höchst wahrscheinlichen Annahmen ist die Gestalt der südlichen Halbku-gel der Erbe von der nördlichen merklich abweichend, daher die südliche dernördlichen Hälfte der Erdaxe ungleich, und es kommt die Gestalt der Erdeeinem elliptischen Sphäroid nahe, so daß die Are desselben von der Are derUmdrehung etwas verschieden ist. Bei einer solchen Annahme und nach ver-schiedenen noch aufgestellten Bestimmungen über die Größe der Erde, ergibtsich auf den Umfang der Sphäroids in einem Meridian 5393 und auf denW A