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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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AuSmeffcn grradkk Linien in der Natur

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«vcrden; wie dabei zu verfahren, ist im Artikel Abstecken erklärt worden.,Dind die End - und Zwischenpunkte gehörig bestimmt, so wird dann zur Mes-sing selbst geschritten. Man gebraucht hierzu gewöhnlich dreierlei Werkzeuge:1 ) Die Kette (ihre Einrichtung und ihren Gebrauch, siehe Kette undKetten zieh er) wird nur bei kurzen Entfernungen, wo man bei der Ope-ration selbst alle Vorsicht anwenden kann, oder auch bei solchen, wo eine>anz besondere Genauigkeit nicht verlangt wird, angewendet. Man hat hier-bei auf Folgendes sorgfältig Acht zu haben:a) daß die Kette selbst das wahre Maß halte;

d) daß sie wahrend des Gebrauchs sich nicht verbiege oder verhänge;c) daß die Kettenstäbe völlig senkrecht stehen;

ä) daß die Kettenzieher in die bezeichnete Linie gehen, nicht rechts nichtlinks davon abweichen;

e) daß der Hintere Kettenzieher den Stab an die Stelle des verlassenenStandorts einsetze;

f) daß die Kette horizontal, nicht schleppend getragen werde.

* Vernachlässigungen dieser Gegenstände geben mehr oder minder bedeu-ende Abweichungen von der Wahrheit, die um so erheblicher werden, je mehr>ndere Messungen auf eine solche gemessene Standlinie gegründet werden.Die Größe des Fehlers zu beurtheilen, der durch nicht gehörige Berücksichti-gung der Punkte a k'entstehen kann, ist für gewisse Annahmen genau zu>estimmen. Die Grenzen dieses Werks behindern uns, sie hier umständlichauseinander zu setzen, wir verweisen aber auf das so schätzbare Werk vonSchulz Montanus: systematisches Handbuch der gesammten Land-und Erd-messung. Berlin 1819. 2r Band S. 20 fg.

Trift die Messung auf einen Graben, so wird dieser durch Ueberlegungeines Bretes passiret; gehet die Messung über einen Hügel, so hilft mansich, indem man den Kettenzieher» die Ringe an den Stäben so weit heraufschieben läßt, bis die Kette ziemlich horizontal hängt, damit sie durch ihr Ge-wicht nicht in der Mitte sinke und dadurch die ganze Kettle etwas verkürzetwerde; man kann hierzu auch an einigen Stellen Gabeln von der Höhe derKettenstäbe untersetzen lassen. Gehet aber die Messung über Berg und Thal,so kann mit der Kette gar nichts ausgerichtet werden, und man muß seineWufluchr zu Meßstäben nehmen.

U 2 ) die Meßstäbe (ihre Einrichtung, siehe Meßstäbe) werben ausschlie-ßend bei bedeutender» geodätischen Messungen angewendet. Man gebrauchthierzu zweierlei, aus Holz gearbeitete und von Metall gefertigte. Die erstere: Art von Meßstäben wenn sie von gesundem ausgetrocknetem Tannenholze gefer-1 tiget und mit Oel und Firniß tüchtig eingerieben sind, ist denen von Metall,.die schwerer zu transportiren, zu behandeln, und dem Wechsel der Tempera-tur mehr ausgesetzt sind, vorzuziehen. Gewöhnlich wird bei Messungen vonBedeutung die Ausdehnung der Meßstangen durch Pyrometer geprüft und mitj jeder einzelnen ein besonderer Versuch über die Ausdehnung angestellt. Beider Wiener Standlinienmessung bediente man sich eiserner Meßstangen.Gebraucht man der der hölzernen Meßstangen, so muß man mehrere dersel- den haben, die an beiden Enden mit messingner Einfassung versehen sind,und die, um sie genau aneinander passen zu können, glatt abgeseilt seyn; müssen. Diese Meßstäbe kommen beim Gebrauche auf Tischchen zu liegen,die mittelst einer Vorrichtung etwas erhöhet und erniedriget werden können.Die Meßstäbe selbst, kommen in die mit aller Sorgfalt gerade abgesteckte Li-nie, einer hart an den andern zu liegen; diesen horizontalen Stand erhältman durch eine, auf ein justirtes Bret gesetzte Setzwaage. Bei der Mani-pulation des Legcns der Stäbe bemerke ich "nur noch, daß sie jedesmal mitmöglichster Accuratesse in die bezeichnete Verticalebene genau eingerichtet wer-i den müssen, und daß man den ersten Maßstab nicht eher wegnimmt, alsbis der dritte seine gehörige Lage hat. Wie schwer es ist, eine lange; Strecke in gerader Richtung fortzumeffen, erhellet aus der Basismessung bei: Hounslow - heath (Zachs monatliche Corresv. Febr. 1812. Alll. S. 137.)

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