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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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Breite

Es gibt aber auch Bouffolen, die mit Dioptern versehen und auf einem!besondern Stative befindlich sind, unter welchen die des Herrn Gale (er-!wähnt in seinem Werke S. 217) einige besondere Vorzüge hat. Sie beste-!het wie Fig, 30- zeigt, aus einem 14 bis 15 Zoll langen, an den Enden mit!Dioptern versehenen messingnen Arme, in der Mitte befindet sich d-ie mit einer!Magnetnadel versehene und in Grade abgetheilte Büchse, alle übrigen Ein-!richtungen sind wie oben beschrieben, nur daß das ganze Instrument auf ei-!nem mit einer Ruß versehenen Stative befestiget werden kann. !

Endlich ist auch noch die Schmalkaldensche Hand - oder Patent Bouffole!in Gebrauch. Die Büchse ist nicht größer als 3 Zoll im Durchmesser, und!hat sowohl die Gradeintheilung, als auch die übrigen Erfordernisse einer gu-!ten Bouffole. An den Seitenwänden der Kapsel ist ein gewöhnliches Objec-!tivdiopter aufgerichtet, das sich mittelst eines Scharniers über dem Glasdeckel!der Kapsel zusammenlegen laßt. Diesem Diopter gegenüber, meinem Abstand-!von 180 Graden, befindet sich ebenfalls am Rande der Kapsel an einemScharniere angebracht, ein kleines in Messing gefaßtes Glasprisma, dessenNeigungsflachen 45 Grade betragen und das sich so weit niederlegen laßt,daß die Kathetenebene gerade über dem Limbus des Kreises und parallel zudessen Ebene stehet; es wird daher, wenn das Bild von einem Limbustheileunter 45* auf die schiefstehcnde Hypotenusenebene fällt, der Lichtstral justwiederum um 45" reflectircn und es vertritt daher dieses Prisma die Stelleeines in der Hypotenusenebene liegenden reflectirenden Spiegels. Die Fas-sung der senkrecht stehenden Kathetenebene hat eine Oeffnung zum Visiren,wo man vermöge der Reflection der Spiegelebene die gehörige Gradzahl amLimbus vergrößert siehet, so daß ein bestimmter Punkt des entfernten Ob-jects, und die Zahlen am Gradbogen welche auf den Bogen in verkehrterLage gesetzt sind, um durch die Spiegelreflection dem Auge gerade zu er- [scheinen in einer Vertikalebene zusammenfallen.

Man halt beim Gebrauche diese Boussole in der Hand, oder besser, man Isetzt sie horizontal auf eine ebene Fläche, drehet sie so weit, bis man möglichsteinen gewissen Gegenstand in die Visirlinie der Dioptern bekommt, und be-merkt dann die Gradzahl, die die Nadel am eingetheilten Limbus bezeichnet;man drehet dann die Boussole um ihre Are nach einem andern cutferntenGegenstände und bemerket auch die angezeigte Gradzahl. Es läßt sich dann Iaus diesen beiden Gradzahlen, sehr leicht das Maß des beobachteten Win-kels finden.

Bei ganz flüchtigen Messungen, wo keine besondere Genauigkeit gefor-dert wird, wie z. B. bei militairischcn Arbeiten, kassn sie wohl brauchbarseyn und gute Dienste leisten. Im Allgemeinen aber läßt fich annehmen,daß da, wo es mehr als auf ein bloßes Ungefähr ankommt, fich ja keinGeometer auf die Bouffole verlassen mag. Die Veränderungen ihres mag-netischen Meridians und die Theilnahme, welche sie für alle in ihrer Nahebefindliche elektrische Gegenstände äußert, die so weit gehet, daß sogar zuvermeiden ist, das Glas des Deckels mit einer trocknen Hand anzugreifen,oder den Sonnenstrahlen lange auszusetzen, machen ihre Beobachtungen sehrunsicher. Ueberhaupt ist aber, wenn man auch alle diese Trüglichkeiten derBoussole nicht achten wolle, ein Winkel höchstens nur bis zu i Grad, auchbei Werkzeugen mit einem Vernier versehen, mit nur einiger Zuverlässig-keit damit zu bestimmen. Früher war es sehr im Gebrauche sich, der Bouffolenmit Alhidadenwerkzeugen in Verbindung gesetzt, zu bedienen.

Breite oder Polhöhe. Wenn man durch jeden Punkt der Meri-diane vom Aequator bis zu den Polen Kreise ziehet, die insgesammt mitdem Aequator parallel laufen, so nennt man die Entfernung eines Orts, un-ter einem dieser Kreise liegend, vom Aequator nach Norden oder Süden,die geographische Breite oder Polhöhe. Sie ist unter dem Ae-quator 0 und unter den Polen 00 Grad. Soll die Breite eines Ortsgefunden werden, so setzt dieses gewöhnlich voraus, daß die Mittagshöhe der