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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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123
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Gradmeffung 123

mel, der den Unterschied der Breite der Orte b und r angibt, ein sehr auf-hältliches Geschäfte, man verfährt hierbei am zuverlässigsten, indem mandie Differenz der Zenithdistanzen eines und desselben Fixsterns für die zweiBcobachtungsorte b und r aufsucht. Zur Berichtigung kann man auch meh-rere Fixsterne und zwar solche wählen,, die nahe am Zenith culminiren.Bei der Beobachtung selbst wird ein Bordascher Kreis bessere Dienste lei-sten , als der früher gebrauchte so unbehülfliche Zenithsector und die Polar-kreise. Zu untersuchen, ob die Parallelkreise von der Kreisgcstalt irgendwoabweichen,' hierzu dienen insbesondere, die Längengradmessungen, derenSchwierigkeiten unter dieser Benennung im Buche erwäbnt seyn werden.

Unter den Breitengradmessungen ist eine der interessantesten, in Schwe­ den geschehen; man kann das Umständliche hierüber in v. Zach's monatlicherKorrespondenz, Jahrgang 1806. S. 210 lesen.

Was die ältere Geschichte der Gradmessungen überhaupt anbelangt, sowill ich hier in möglichster Kürze noch einiges erwähnen: die frühestenNachrichten von Abmessungen der Erde reichen bis zu Anaximander von Mi-let (vit. pliilos. 1. II.) auf den später Archytas aus Tarent (Horaz. I.28.) folgte. Wie weit die gemachten Erfahrungen dieser Forscher gereicht ha-ben, ist ganz unbekannt geblieben. Mit mehr historischer Gewißheit erfah-ren wir von Eratosthcnes in Alexandria im Jahr 400 v. C. G. daß durchBeobachtungen bestimmt worden sey, daß die Städte Syene und Alexan-drien unter einerlei Mittagskreise liegen sollen. Eine andere Angabe grün-det sich nach dem Berichte des Clcomedes auf die Beobachtung der Höhe desCanopus. Um das Jahr 827 der christlichen Zeitrechnung ließ der berühmteKalif Al-Mamon durch viele nach Bagdad berufene Mathematiker nach Al-fraganes Angabe, zwei Grade des Mittagskreises längs den Küsten des ara-bischen Meerbusens in den Ebenen von Singar messen. Es trat hieraufdie große Lücke des Verfalls der Wissenschaften ein, bis wir erst wiederumdurch Suellius und Riccioli erfahren, daß der Französische Arzt Fernel imJahre 1525 die Polhöhe von Paris beobachtete. Später folgten Clavius undCasati mit ihren Beobachtungen rasch auf einander (siehe Varenius Geogr.gener. etspec. Cantabr. 1672. p. 27 fern er Riccioli Geograph, reforin. L.V. c. 14 sqcj. und Wolf Elementa gcograph. mathem. Cap. I. Pro-blem. 2. stjq.) Die erste zuverlässigere Messung und Beobachtung habenwir aber dem Holländer Willebrord Snellins im Jahre 1615 zu verdanken(Eratosthenes Batavus s. de terrae ambitus vera quantitate. Lugd. Bat.1617.) Er legte eine Triangularverbindung von Alkmaar nach Leiden undnach Bergen op Zoom an. Das Resultat seiner Messung war, daß derGrad in Holland 28500 Rheinländische Ruthen oder 55021 Toisen hält, wel-ches freilich nach den neuern sichrern Messungen noch zu klein ausfällt.Musschenbroek wiederholte die Messung und fand für jenen Grad eine Längevon 29514 rh. Ruthen oder 57033 Toisenssvissertatioiies pliysicae et georne-tricae. Lugd, 1729. Diss. de magnitudine terrae). In England trateinige Jahre später als Snellius, Nvrwvod auf, er fand einen Grad zwi-schen London und Pork 57300 Toisen lang, hingegen Riccioli und Gri-maldi zu 61478 Toisen. Wichtiger wurde erst dieser Versuch durch Picard,dem im Jahre 1669 von der Akademie der Wissenschaften aufgetragen wurde,eine Gradmessung in Frankreid) zu veranstalten. Die Dreieckverbindungreichte von Malvoisine bis Amiens und zum erstenmale sah man liier Instru-mente mit Fernrohren gebraucht. Picard verfaßte über die Ausführung die-ses Auftrags eine Schrift betitelt: Mesure de la terre, Paris 1761. undgab darin an, daß ein Grad in jener Gegend 57060 Toisen halte. Erempfahl hierbei die von ihm angefangenen Gradmessungen fortzusetzen undes erfolgte daher auch im Jahre 16S3, 1700 und 1718 die Verlängerung derPariser Mittagslinie durch) ganz Frankreich . Hierbei fanden die beiden Cas-stni die nördlichen Grade kleiner als die südlichen, welches sich später in denJahren 1735 bis 1744 durch die Messungen von Bouguer und Maupertuisvon ersterem in Peru , von letzterm in Lappland bestätigte. (Einiges von