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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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482 ' Minute Meridian oder MittagSkreiS

Minute. Hierunter kann zweierlei verstanden werden, einmal, derKOste Theil einer Stunde, und dann sagt man auch, um Mißverständnisse zuvermeiden, eine Zeit.minute; man nennt aber auch Minute, den 60stenTheil eines Grades, als den 360stcn eines ganzen Kreises, und drückt sichdann bestimmter durch Bogenminute aus. Jede Minute wird wiederumin 60 Sekunden gespalten.

Mittag. Es ist bekannt, daß die Sonne in ihrer Bahn des Winters ge-schwinder, als im Sommer fortrückt, um nun einen sogenannten mittlerenLaufder Sonnezu bekommen, hatman Reihen vonJahren zusammen genommen,sie gleichförmig eingetheilet, und hieraus die Sonnenbahn für jedes Jahr undfür jeden Tag berechnet, und dann, mittelst noch verschiedener Verbesserungen,hieraus den wahren Ort und die Lage der Sonne, für jeden Mittagskreisabgeleitet. Der Zeitpunkt nun, wo die Sonne beim mittleren Laufe der Zeit,den Meridian eines Orts passiret, dieses gibt dann den mittleren Mit-tag und die Zeit zwischen zwei solchen Mittagen, in 24 Stunden und jedederselben in 60 Minuten und eben so viel Sekunden gcthcilet, gibt die mitt-lere Sonnenzelt, welche die gewöhnlichen Uhren angeben. Diesem ent-gegen stehet der wahre Mittag und die wahre Sonnenzeit. Erstererist der Zeitpunkt, wo der Mittelpunkt der wirklichen Sonne durch den Me-ridian des Beobachters gehet, letztere bestimmt sich durch die Eintheilungzweier auf einander folgender wahrer Mittage in Stunden rc. Die Diffe-renz des mittleren und wahren Mittags gibt die Gleichung der Zeit.

Mittagsrohr oder auch Durchgangsrohr (lunette meridienne,Instrument des passages) genannt, hat gleiche Bestimmung mit dem Mauer-quadranten, nämlich die Mittagshöhe und die Durchgänge der Sterne durchden Meridian eines Orts zu beobachten. Das Werkzeug bestehet aus folgen-den Hauptbcstandtheilen: 1) einer Are, welche vollkommen horizontal undin der Richtung von Osten nach Westen stehet; 2) einem in der Mitte derAre befindlichen Würfel, durch den senkrecht 3) eine Hülse gehet, inder 4) ein Fernrohr sich eingesteckt befindet und durch Stellschrauben oderauf andere 2srt so befestiget werden kann, daß beide Enden sich vollkommenim Gleichgewichte befinden; 5) einem Zeiger, der sich sammt der Axe unddem Fernrohre drehet und zur Andeutung der Grade der Standhöhe bestimmtist, weshalb auch an einer der Seitenwande sich 6) auf einer Platte einsorgfältig eingetheilter halber Kreis befindet; 7) einem auf der andernSeite der Are befindlichen Stäbe, der sich gleichfalls, wie der ihm überste-hende Zeiger, mit dem Instrumente herumdrehet und durch dessen oberes Ende8) eine Stellschraube gehet, die erforderlichen Falls etwas gegen diePlatte zu angeschraubt wird, um das Fernrohr in einer gewissen Lage zuerhalten.

Das Fernrohr wird beim Gebrauche des Instruments, mittelst des Zei-gers gerichtet, so daß es gerade nach dem Punkte des Meridians weist, durchwelchen der Stern gehen soll, in dieser Richtung wird es mit der Stell-schraube angehalten und dann der Durchgang des Stern- abgewartet undbeobachtet.

Meridian oder Mittagskreis. Hierunter verstehet man einengrößten Kreis der Erdkugel, der durch beide Pole und einen gewissen gemein-ten Ort gehet, dessen Meridian er dann heißt. Die Meridiane durchschnei-den insgesammt den Aequator rcchtwinklich und vereinigen sich in beiden Po­ len . Es gibt so viele Meridiane, als Punkte auf dem Aequator nebenein-ander gedacht werden können. Durch die Entfernung des Meridians einesOrts gegen den eines andern, oder durch den Bogen, welcher das Maß dessphärrschen Winkels beider Meridiane ist, wird die geographische Lage dessel-ben bestimmt, die westlich oder östlich seyn kann. Da der den Aequatorbildende größte Kugelkreis, keinen in der Natur der Form liegenden Anfangs-punkt hat, so kann auch die Länge eines Orts auf jeden andern willkührlich