MittaMinie zu gießen 183
angenommenen Ort bezogen werden. Um aber Mißverständnisse zn vermei-den, gibt man dem Meridiane irgend eines Orts, die Bezeichnung als erstenMeridian. Englische Geographen nehmen den durch die Sternwarte vonGreenwich führenden, als ersten an; dagegen französische ihn durch die Wartevon Paris legen. Die meisten deutschen Geographen und Ingenieure neh-men den ersten' Meridian 20 Grade westlich von Paris , welches ungefährmit dem von Ferro zusammentrifft, an. Ein Mehreres noch hierüber unterdem Artikel Mappirungskunde.
Mitt'a gslinie zu ziehen. Was man unter Mittagslinie zu »er-stehen hat, dieses ist im Artikel Meridian bestimmt erklärt worden. Für denGeometer ist die Kenntniß derselben, so wie die Art und Weise sie zu finden, zu wis-sen, unerläßlich. Man bedienet sich hierbei verschiedener Methode», die mehroder weniger zuverlässig, mehr oder weniger schwer zu bewerkstelligen und ein-fache oder zusammengesetzte Meßwerkzeuge erheischen. — Um einen Riß nurin so weit zu orientiren, daß man nur ungefähr die Lage der Mittagsliniedaraus zu ersehen vermag, läßt man in der Gegend, wo die Aufnahme ge-schehen ist, die in einem Gehäuse am Meßtische befindliche Magnetnadel, überder auf den Boden des Gehäuses gezogenen Abwcichungslinie, gehörig ein-spielen, und ziehet dann mit der Nordlinie eine Parallele auf das Mensel-blatt. — Es leuchtet jedem Geometer von selbst ein, daß hierdurch nur eineganz ungefähre Bestimmung erlangt werden kann, die aber doch in vielenFällen genügt. Etwas mehr Zuverlässigkeit gewährt die Methode mittelstdes Schattens die Mittagslinie zu bestimmen. Zu dem Ende errichtet manauf einer ebenen Platte, die horizontal in dieser Lage fest aufgestellt ist, wozusich auch ein Meßtisch gebrauchen läßt, einen geraden, senkrechten Stift, oderstellt auch wohl auf selbige einen genau gearbeiteten senkrechten jKegel, f»wird bei Beleuchtung der Sonne, der vom Stifte oder Kegel geworfeneSchatten dann am kürzesten werden, wenn die Sonne kulminiret, d. h.wenn ihr Mittelpunkt in die Mittagsebene des Orts tritt. Der Geometerhat diesen Moment genau zu beobachten, anzumerken und den Endpunkt deskürzesten Schattens mit dem Mittelpunkte der Grundfläche des Stifts oderKegels, da, wo selbige die Ebene berührt, zusammen zu ziehen. K.ann mansich noch einer nach wahrer Zeit gestellten Uhr bedienen, die täglich wenig-stens bis auf einige Sekunden richtig gehet, so erhält man noch etwas mehrZuverlässigkeit, wenn man sich auf der horizontalen Platte, concentrisch mitdem Stifte, mehrere Kreise ziehet, dann einige Stunden vor dem Eintritt«des Mittags, den kürzesten Schatten auf einem der Kreise, durch ein kurzerEtrichelchen bemerkt, und in eben so viel Zeit des Nachmittags ab. vomMittage, dasselbe auf der entgegengesetzten Seite desselben Kreises thut. DieseBeobachtung und Anmerkung kann mehrmals, jedoch immer auf andernKreisen und in correspondirenden Zeiten diesseits und jenseits des kürzestenSchattens geschehen. Bereiniget man zwei und zwei der in einem Kreise ge-machten Marken durch eine gerade Linie, und theilet diese sämmtlichen Liniendann in zwei gleiche Theile, so wird die gemeinschaftliche Theilungslinie»den Meridian des Orts bezeichnen. Man wird sich von dieser Operationnoch 'größere Richtigkeit versprechen können, wenn man aus bekannten geo-graphisch - mathematischen Gründen, die Zeit deS längsten Tages hierzu wählet,weil dann die Veränderungen in der Abweichung der Sonne am kleinstensind, und man daher keine Correction der Höhen nöthig hat. — Ist manmit einem Theodelit, einem Bordaischen Kreise oder Sextanten mit künstli-chem Horizonte und einer guten astronomischen Pendeluhr versehen, so läßtsich die Mittagslinie sicherer bestimmen. Man nimmt dann mehrere corre-spondirende Sonnen- oder Sternhöhen, bemerket die Zeit der Beobachtungund berechnet hieraus, zu welcher Zeit die Sonne »der der Stern des an-dern Mittags kulminiren muß, wobei das Voreilen oder Zurückbleiben derUhr mit zu berücksichtigen ist. Hierauf beobachtet man ihn zu jener berech-neten Zeit, und läßt .bei »»verrückter Stellung des Horizontalkreises, da«