Reißbesteck Reißschiene 231
Anmerkung.
In PicardS Abhandlung vom Wasserwägen, Berlin S. 247, ist ange-geben, daß man bei Nivellementsgcgenständen die Refraction der Lichtstrah-len in der Lust, ohne einen beträchtlichen Fehler zu begehen, für 4 annehmenkann; man darf daher in solchen Fallen die gefundene Höhe um 4 vermeh-ren, um die, bei Berücksichtigung der Strahlenbrechung, wahre Höhe zufinden. (Siehe Artikel Nivelliren.)
Reißbesteck. Man begreift unter dieser Benennung, mehrere einzelnekleine mathematische Instrumente, paffend in ein hierzu eingerichtetes Futte-ral gelegt: Zirkel, Lineal, Winkelhaken und Reißfedern sind die wesentlich-sten Stücke. Um aber sowohl große als auch kleine, ausgeführte und bloßeUmrißzeichnungen damit bearbeiten zu können, braucht man nicht allein ver-schiedene Arten der Reißfedern und Zirkel, als Stellzirkel, Stockzirkel, Haar-zirkel, Stangenzirkel, dreibeinige Zirkel, Proportionalzirkel; Einsetzreißfe-dern, Punktirreißfedern, sondern auch solche, die in der Größe von einanderabweichen. Außer den gedachten Stücken findet man in einem Reißbestecksehr oft einen Transporteur, Copiernadeln und auf Messing gestochene Maß-stäbe. — Der Preis eines Reißbestecks richtet sich natürlich nach der Anzahlder zu selbigem gehörigen Stücke, ihrer Größe, und ihrer Güte; man kauftwelche von 24 bis zu 50 Thaler.
Reißbret. Dieses ist ein ganz ebenes unästiges viereckiges Bret-, vongutem ausgetrocknetem Linden-, Ahorn - oder Fichtenholze, das genau in ei-nen Rahm paßt und auf der Hintern Seite, durch zwei vorgeschobene Riegelfestgehalten wird. Auf das Bret wird, wenn es außerhalb des RahmS sichbefindet, ein mit Wasser, aus der Seite, welcher aufs Bret zu liegen kommt,angefeuchteter Bogen Papier straf angezogen, dann Papier und Bret in denRahmen hinein gedrückt und die Riegel vorgeschoben. Wenn der Bogen völ-lig trocken ist, so wird er ganz eben auf dem Brete aufliegen. — Oefterswerden auch statt solcher Rahmbreter gewöhnlich gute ebene Breter von demerwähnten Holze genommen und der aufzuspannende Bogen Papier dann aufselbiges, am Rande mit gutem Kleister oder auch mit Mundleim aufgeklebte
Reißfeder. Um gleich starke Linien mit Tusche oder Farbe auszuzie-hen, hierzu bedient man sich einer Reißfeder. Sie bestehet aus zwei dün-nen Metallplatten ab und ab Kis- 169. vom besten Stahle, zuweilen auchvon Messing gefertiget, die bei s und c an einem Griffe verbunden sind,und deren spitzzugehende Ebenen, mittelst der Schraube bei d einander genä-hert oder von einander entfernt werden können.
Der Theil der Reißfeder bei k> wird mit flüssiger Tusche oder Farbe ge-füllt und je schärfer die Schraube bei d angezogen wird , je kleiner wird dieOeffnung bei b, je weniger Flüssigkeit kann, wenn man mit der Feder aufdem Papiere hin ziehet, aus derselben, und je feiner wird die Linie. Rük-ken die Spitzen bei b auseinander, so können dann breitere Linien gezogenwerden. Bei einer vollkommen guten Reißfeder müssen die beiden Plättchenbei b, scharf zusammentreffen, so daß nicht ein Theil vor den andern hcraus-stehet, ferner dürfen beide Plättchen auch nicht zu scharf seyn, sonst schneidensie ins Papier ein, aber auch nicht zu stumpf, sonst geben sie grobe und un-reine Linien. Die Schraube bei d muß aus ganz engen Gängen bestehenund gleichmäßig in die zugehörige Mutter eingreifen. Um Bögen zu ziehen,bedienet man sich einer kurzen Reißfeder, mit einem Gelenke versehen, diestatt der einen Spitze, die Stelle eines Zirkelfußes vertritt. — Punktir-Reißfedern haben ein kleines Rädchen zwischen den beiden Plättchen, inwelches sich die Tusche oder Farbe hängt, und wodurch sich Linien mit Punk-ten auf dem Papiere darstellen lassen.
Reißschiene. Um auf einem mit Papiere bespannten Reißbrete, pa-rallele und senkrechte Linien bequem ziehen zu können, bedienet man sich ei-nes Lineals ab Fig. 170 mit einer senkrecht aufgesetzten Schiene cd, die et.