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Refraction
Refraction . Das Acht, wenn es aus einer durchsichtigen Materie,in dichtere oder undichtere, in einer schiefen Richtung gegen die gemeinschaft-liche Flache beider Materien, übergehet, verändert bei diesem Uebergange seineRichtung, und dieses ist das, was man unter Refractivn der Licht-strahlen verstehet. Die nöthigen Kenntnisse hiervon sind dem Geometer zuwissen nöthig, weil dieser an seinen Werkzeugen nicht allein mit durchsichti-gen Gläsern und Spiegeln, sondern auch mit Visirlinien durch die Lust zuthun hat, wo gleichfalls Refraction statt findet. — Nimmt man an, derRaum über gl> nach -> hin Fig. 167. sey Luft, in dem Raum ghik Glasma-terie und der iklm mit Wasser angefüllt. Der Punkt » fev ein leuchtenderGegenstand, ob aber ei» Lichtstrahl. So wie der Strahl in b die dichtereMasse berührt, wird er von seiner Richtung ->o abgelenkt und gehet in derRichtung bd fort. Kommt er hieraus bei d aus dem Glase in das Wasser,so verändert er wiederum seine Richtung, und gehet nad> der ds weiter. —Denken wir uns zwei übereinander liegende durchsichtige Materien abcd undcdes Fig. 168. wovon die untere dichter als die obere sey, gb sey ein Licht-strahl, hm die Fortsetzung der Linie gb, hingegen bn der gebrochene Licht-strahl, errichtet man in dem Berührungspunkte b der beiden Flächen auf siedie Senkrechte ibl, so heißt die Linie cd die lichtbrechende oder refrin-girende Ebene, gb der einfallende und bn der gebrochene Licht-strahl; die Ebenen worin ginn und ibl liegen, die Brechungs- oderRefraction seb enen, und der Punkt b in selbiger, der Brechungs-oder Resractivnspunkt. Was die vorkommenden Winkel anlangt, soheißt gbi der Einfallswinkel, nbl der Brechungs -, Rcfractions-odcr gebrodiene Winkel, gbd ist der Neigungswinkel vor- undr,bc der nach der Brechung. Der Unterschied zwischen dem Einfalls-und Brechungswinkel, Ihm-Ihn oder gbi -Ihn, wird der Abweichungs-winkel genannt. Mittel nennt man im allgemeinen die Materie, durchwelche ein Strahl gehet.
Die Erfahrung hat gelehret, daß die Brechung plötzlich, oder doch fastplötzlich in der Fläche geschiehet, wodurch beide durchsichtige Materien geschie-den werden. Ist die Brechung erfolgt, so gehet der Lichtstrahl wiederum, solange er sich in derselben Materie befindet, in gerader Linie fort; eben somuß auch ein Strahl der mehrmalen gebrochen und seiner letzten Richtungzuwider zurückkehrt, seine vorige Bahn in umgekehrter Richtung durchlaufen.
Die Lehrsätze der Dioptrik (Lehre von den gebrochenen Lichtstrahlen)hier aufzuführen und zu erklären, würde in dieses Lexicon die angewandteMathematik einschließen, ich muß mich daher begnügen, die ersten und wich-tigsten Wahrheiten ohne Beweise hier summarisch aufzuführen und die sorg-fältigere Belehrung Suchenden auf Lehrbücher dieser Wissenschaft verweisen.
Lehrsatz i. Wenn die Brechungslinie zur Einfallslinie wird, so ver-wandelt sich die Einfallslinie in eine Brechungslinie.
Lehrsatz 2. Der gebrochene Strahl liegt in einer Ebene, die durchden einfallenden Strahl gehet und auf der brechenden Fläche im Brechungs-punkte senkrecht ist.
Lehrsatz 3. Für zwei gegebene Mittel, ist allemal das Verhältnißzwisck)en dem Sinuse des Einfallswinkels und dem Sinuse des Brechungswin-kels unveränderlich.
Lehrsatz 4. Wenn der Sinus des Brechungswinkels größer ist, alsder Sinus des Einfallswinkels, so müßte der Sinus des Brechungswinkels,der Regel zu Folge, größer werden, als der Sinustotus, welches unmög-lich ist; in diesem Falle kehrt der Strahl zurück und die Brechung verwan-delt sich in eine Jurückprallung oder Reflexion.
Lehrsatz Z. Wenn Lichtstrahlen aus einem Mittel in ein anderesübergehen, welches zwischen parallelen Ebenen eingeschlossen ist, und wennsie nach dem Durchgänge wiederum ein dem ersten vollkommen gleiches Mit-tel antreffe», so ist ihre letztere Richtung mit der erster» parallel.