Band 
Erster Band. [Erste Periode.]
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76 I. Geschichte der Physik bis zu Cattesius.

müsse. Dieß Geseh bewiest er auf folgende sinnreicheAre: man soll sich, sagt er, um das ganze Dreyeck(sig. 9.) abc, dessen eine Seitenlinie ac mit demHorizonte parallel jsi, eine zusammenhangende Kettevon lauter gleich großen und gleich schweren Gliederngelegt vorstellen. Wenn sich nun diese nicht das Gleich-gewicht hielten, so würde der stärkere Theil den schwä-chern bewegen, woraus eine ewige Bewegung der Ket-te um das Dreyeck entstehen würde. Da aber dieseszu behaupten widersinnig ist, so müsse man zugeben,daß Gewichte oder Kräfte, welche nach Seiten einesDreyecks wirkten, wenn sie sich wie die Längen derSeiten verhielten, im Gleichgewichte wären. Ausdiestiu Expcrimcnkalbeweis folgert Stevin, daß dießGesetz auch statt finden müsse, wenn auch die dritteSeitenlinie ac des Dreyecks acb mit dem Horizon-te nicht parallel wäre. Obgleich Stevins Saßdas nicht unmittelbar berveiser, was er damit darthnnwollte, indem er eigentlich nur zeigt, daß zwey Ge-wichte, welche auf den Seiten eines Dreyecks vonwagrechter Grundlinie liegen, nur alsdenn im Gleich-gewichte sind, wenn sie sich zu einander verhalten, wiedie Längen dieser Seitenlinien, aufweichen sie liegen:so gab er doch dadurch zuerst die sinnreiche Methodean, die Größe der Kräfte durch gerade mit ihrer Rich-tung parallel laufende Linien auszudrücken, welche be-sonders bey der Lehre von der Zusammensetzung der Be-wegung von so großem und ausgezeichnetem Nutzen ist.Ueberdem leitete ihn dieses Gesetz auf die wahren Ei-genschaften der schiefen Ebene. Wenn nämlich (fig.10.) ac horizontal, cb darauf senkrecht und ba ge-zogen worden, so stellt ba die schiefe Ebene vor, de-ren Höhe ba ist. Auf der schiefen Ebene liege eineschwere Kugel p, welche vermittelst des Fadens pdq,

der