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funden, dann gieng es auf den Grat zurück. Das Wetterhatte sich unterdessen verschlechtert; im Norden lag eineschwere Wolkenbank; Nebel und Sturm stellten sich ein.Eine glatte Felspartie von 52° Neigung wurde auf allenvieren überwunden; eine zweite Felsenburg, ruinenähn-lich aus phantastisch geformten Türmen und Zinnen ge-bildet, wurde links über guten Schnee umgangen, dannstieg man wieder auf die Höhe des Grates, die Sicherheitvor Steinschlag und Lawinen versprach und im Nebel dieeinzige Gewähr für Beibehaltung der Richtung bot. Übereine Schneefirst mit rechts überhängender Gwächte er-reichte man um 1 Uhr 5 Min. den Gipfelgrat, ohne indesden höchsten Punkt desselben, eine ca. 2 m. hohe unter-höhlte Gwächte, zu betreten. Um 1 Uhr 15 Min. begannder Abstieg auf demselben Wege; um 5 Uhr 30 Min.traf man wieder bei Mr. C. Wigram auf dem Wandfluh-grat und abends 7 Uhr in Bricolla ein. Obwohl bei dieserPartie der alleroberste Punkt nicht betreten wurde, ge-bührt doch Messrs. T. S. Kennedy und W. Wigram un-streitig die Ehre der ersten Besteigung; denn Giplel-gwächten, die von Jahr zu Jahr, ja von Monat zu Monatihre Stelle wechseln können, fallen für die Besteigungs-geschichte eines Berges nicht in Betracht.
Auf einem andern Wege wurde die Dent Blanche,ebenfalls von Bricolla aus, am 11. September 1864 vonMr. John Finlaison mit Christen Lauener und FransZurflUh bestiegen. Dieselben verliessen die Hütten vonBricolla um 3 Uhr 30 Min. bei unsicherem Wetter. Um4 Uhr 30 Min. erreichten sie nach mühseligem Marsch beimschwankenden Schein der Laterne die Endmoräne eineskleinen Gletschers, der sich in südöstlicher Richtung,nach oben in einen Korridor auslaufend, gegen den Wand-fluhgrat hinaufzog. Nach Ersteigung der steilen Moräne