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II (1898) Südalpen : A. Mont-Blanc-Gebiet. B. Walliser Alpen / Gottlieb Studer
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betrat man ein breites, fast ebenes Eisplateau, das sichunter dem überhängenden Eiswall eines links oben lie-genden Gletschers, wahrscheinlich des Glacier de laDent Blanche nördlich von den Roes Rouges, ausdehnteund von herabgestürzten Eistrümmern bedeckt war. Manbahnte sich einen Weg durch den mächtigen Serac, derum 5 Uhr 30 Min. überwunden war, und befand sich nunam untersten Ende des Korridors, liier galt es, sich zuentscheiden. I)ie Wand links vor ihnen war von paral-lelen Fclsrippen und dazwischenliegenden Eiskehlcnkanneliert; rechts zog sich der Korridor ungefähr gegenPunkt 3912 des Wandtluhgrats empor; Lauencr, derdiesen Grat von einem in demselben Jahre unternom-menen Besteigungsversuch mit Messrs. Philpott undHornby kannte, riet aber entschieden davon ab, diesenWeg einzuschlagen. Man beschloss deshalb, die Wandin Angriff zu nehmen und die erste zugängliche Rippezu erklimmen. Nachdem der Bergschrund überschrittenwar, stieg man abwechselnd über steile, glatte, übercisteFelsrippen oder durch steinschlag- und lawinengefähr-liche Eiskehlen in zwei Stunden zu einem kleinen Pla-teau hinauf, wo die Gesellschaft um 8 Uhr von Sturmund Nebel empfangen wurde. Die wenigen Sonnenblicke,die den Nebelschleier durchdrangen, genügten aber zurOrientierung. Man gewann glücklich den obersten Teildes überwächteten Südgrates und zog sich links längsdesselben hinauf, bis man für die letzten zwanzig Schrittewieder die Gratfirst benutzen konnte. Um 10 Uhr 20 Min.stand man auf dem Gipfel, der einen langen Schnee-rücken bildet und von Mr. Finlaison der ganzen Längenach begangen wurde. Der Abstieg, durch Nebel undSchneefall erschwert, ertolgte auf demselben Wege;abends traf man wieder in Bricolla ein.