Windgällenkette.
71
steil nach Süden einschiessenden Gneisstafeln der Centralmasse aufliegt,ist ein Analogon zu den sedimentären Gipfelkappen der Aiguilles Rou-ges oder des Mont de Lans. Bezeichnend für das mechanische Wesender Kalkkeile ist ihre regelmässige Umsäumung durch die Zwischen-bildungen, die den verwickelten Contouren der Grenzfläche desGneisses gegen die Sedimente folgt und die Erklärung einer Ent-stehung der Kalkkeile durch Falten Verwerfungen im Sinne Lory’sausschliesst. J ) Diese regelmässige Umschlingung durch die Zwischen-bildungen selbst bei völlig abgeschnürten Kalkmassen, wie am Gstelli-horn, markirt gleichzeitig einen entscheidenden Unterschied gegen-über auf eruptivem Wege losgerissenen Sedimentschollen.
Oestlich vom Reussthal fällt die Contactzone mit der nörd-lichen Abdachung des Maderanerthales und der Grenze der Wind-gällenkette gegen das Massiv des Tödi bis zum Limmernboden zu-sammen. Das Kalkgebirge dringt hier zwischen Erstfeld und Am-stäg um ein beträchtliches Stück weiter gegen Süden vor, als aufder linken Thalseite der Reuss. A. Müller 2 ) hält den Westabfalldes Kammes von der Grossen Windgälle bis zum Hohen Faulen(2503 m ) für eine Querverschiebung, während Heim die Erscheinungdurch ein einfaches Hinabtauchen des Gneissrückens zwischen Erstfeld und Silenen unter die Randkette der Windgälle ( 3 i 8 g m ) und desScheerhorns (3296 m ) erklärt. Der Windgällenzug mit seiner grossennach Norden überschlagenen Falte, die alle Schichten des Gebirgesvon den krystallinischen Gesteinen bis zum Eocän umfasst, nimmt tek-tonisch genau dieselbe Stellung ein, wie der Mettenberg oder dasWetterhorn im Berner Oberland . Die weiter südwärts auf den steilgestellten, abradirten Schichtköpfen des Centralmassivs in flacherLagerung aufruhenden Sedimentbildungen des Tödi (3623 m ) undBifertenstockes (3425™) dagegen sind die tektonischen Aequivalenteder Jurakuppe des Grossen Spannort (3205™).
fl Daneben kommen allerdings auch wahre Faltenverwerfungen wie am Wetter-horn vor. Vergl. A. Baltzer , »Das Aarmassiv«, 1 . c. p. 105.
2 ) A. Müller, »Die Gesteine des Gesehenen-, Gorneren- und Maienthaies«. Verh.d. Naturf. Ges. in Basel , V. Bd., p. 44&.