II.
Die gegenwärtige Wasser-Versorgung Wien’s.
Tn den vorstehenden Zeilen sind die Erfordernisse einer guten und reichlichen GegenwärtigeWasser-Versorgung für die Stadt Wien sowohl bezüglich des Quantums als hinsichtlich Wasserversor 8' un gder Qualität im Allgemeinen festgestellt worden.
Bei der Erörterung der Frage, wie diesen gerechten Anforderungen am voll-ständigsten zu genügen sei, lenkt sich die Aufmerksamkeit naturgemäss zunächst aufden jetzigen Sachverhalt, um zu erwägen, ob etwa die eine oder die andere der ge-genwärtig bestehenden Einrichtungen einer Erweiterung und Vervollständigung fähigsei, oder ob das angestrebte Ziel auf einem ganz anderen und neuen Wege erreichtwerden müsse.
Ein namhafter Theil der Bevölkerung Wiens ist bezüglich des Wasser- Pumpbnmnen.bezuges noch heutigen Tages ausschliesslich auf die Benutzung von Pumpbrunnen an-gewiesen.
Berücksichtigt man aber, dass diese Brunnen beinahe nur von demjenigen Wassergespeiset werden, welches durch die vielfach verunreinigte Oberfläche der Stadt in denBoden einsickert; dass ferner die Unraths-Canäle häufig in unmittelbarer Nähe derPumpbrunnen sich befinden: dass überdies das Wasser durch ein längeres Stehen inden Brunnen mehr oder minder in Fäulniss gerätli, und Verunreinigungen durch denim Tegel enthaltenen Schwefelkies ebenfalls nicht zu den Seltenheiten gehören; dassendlich aussergewöhnliche Anschwellungen der Donau eine namhafte Anzahl von Brunnenzeitweilig ganz und gar unbrauchbar machen : so bedarf es wohl kaum des Hinweisesauf die in den Jahren 1859—60 vorgenommenen commissionellcn Erhebungen, um dasden Pumpbrunnen innerhalb der Stadt entnommene Wasser als vollständig unge-eignet für häusliche Zwecke zu erkennen.
Aber auch zum Besprengen der Strassen und selbst zur Feuerlöschung sinddiese Pumpbrunnen wegen der schwierigen und kostspieligen Gewinnung eines grösserenWasser-Quantums entweder gar nicht oder nur in einzelnen Ausnahmsfällen verwendbar.