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Wien's Wasserversorgung : eine Denkschrift ... / Aug. Fölsch und Carl Hornbostel
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Quell-

wasserleitungen.

Die Kaiser Ferdi-nands-Wasserleitung,

Gesammtleistungder gegenwärtigenWasser-Versorgung

Bei der künftigen Wasser-Versorgung Wiens müssen die Pumpbrunnen deshalbgänzlich ausser Rechnung bleiben.

Es bestehen ferner gegenwärtig nicht weniger als 16 verschiedene Quell-Wasserleitungen, von denen einige der ergiebigsten städtisches Eigenthum sind.

Diese Anlagen fangen Quellwasser aus der Umgebung mittelst sogenannterSaug-Canäle und Brunnstuben auf und führen dasselbe der Stadt zu, eine jede durcheine getrennte Leitung. Das auf solche Weise im Ganzen gelieferte Quantum beträgtetwa 2530.000 Eimer pr. Tag, deckt also nur etwa den vierzigsten Theil des vor-stehend ermittelten Gesammt-Bedarfes.

Eine nachhaltige Vermehrung dieser verhältnissmässig geringen Wassermengesteht auf dem gleichen Wege um so weniger zu erwarten, als das Wiener Becken schon durch die gegenwärtigen Anlagen nahezu erschöpft ist.

Schon jetzt musste eine solche Leitung, deren Zuflüsse versiegten, gänzlichaufgelassen, und eine zweite deshalb aufgegeben werden, weil deren Sanmiel-Canäleunter der Erweiterung des Matzleinsdorfer Friedhofes lagen. Die Leistungsfähigkeiteinzelner anderer Quelleitungen scheint ebenfalls nach und nach abzunehmen.

Jedenfalls dürfte bei dem fortschreitenden Anbau das auf diese Weise bezogeneWasser-Quantum sich immer mehr verringern; und weit entfernt, hier neue Iliilfsmittelfür eine vollständigere Versorgung der Stadt Wien zu finden, wird im Gegentheilkünftighin auf anderweitigen Ersatz des bis jetzt von den Quell-leitungen gelieferten Wassers vor gedacht werden müssen.

Die Stadt Wien empfängt ferner durch die Kaiser Ferdinands - Wasser-leitung ein Quantum von etwa 125.000 Eimern per Tag. Dies Wasser wird be-kanntlich mittelst Saug - Canälen dem Donau - Canale entnommen, durch Dampf-maschinen gehoben und in Röhrenleitungen unter entsprechendem Drucke in das Innereder Stadt geführt.

Die gesammte gegenwärtige Wasser-Versorgung Wiens *) beträgt demnach in

runder Zahl:

Von Quelleitungen täglich. 25.000 Eimer

Von der Kaiser Ferdinands-Leitung täglich. 125.000

zusammen etwa... 150.000 Eimer.

Es fehlen also nicht weniger als täglich. 850.000

um den vorstehend ermittelten Minimalbedarf' der Stadt von täglich 1,000.000 Eimernzu decken.

*) Wien stellt bezüglich der Wasser - Versorgung g-egemvärtig- auf jener Stufe, welche Paris vor60 bis 70 Jahren einnahm.

Damals hatte Paris 550.000 Einwohner, eine Wasserzuleitung von 141.000 Eimern täglich, 85 Aus-laufsbrunnen und 455 erkaufte Wasserbezugs-Reclite: alles Zahlen, welche den jetzigen Verhältnissen Wiens so nahe als möglich entsprechen.

Jene Zustände wurden schon damals als geradezu unerträglich erachtet, und zur Abliiilfederselben wenige Jahre später mehr als 20 Millionen Francs aufgewendet.