Buch 
Wien's Wasserversorgung : eine Denkschrift ... / Aug. Fölsch und Carl Hornbostel
Entstehung
Seite
9
JPEG-Download
 

9

Bei niederem Wasserstande sind diese durch die Entwässerung der angrenzen-den Ortschaften vermehrten unreinen Abflüsse noch eine ziemliche Strecke abwärtsdeutlich zu erkennen.

Es hat mit einem Worte der Donau -Canal an jener Stelle, wo derselbe ge-genwärtig das Wasser zur Versorgung der Stadt abgiebt, bereits die gesammtenSchmutz-Abflüsse der Gegend vom Maschinenhause aufwärts bis ein-schliesslich Nussdorf in sich aufgenommen.

Allerdings werden diese Schmutz - Abflüsse durch das Wasser des Donau -Canales bedeutend verdünnt. Aber gerade im hohen Sommer, also zu der Zeit, wannbezüglich der Qualität des gelieferten Trinkwassers die strengsten Anforderungen ge-stellt werden müssen, ist diese Verdünnung in Folge des niedrigen Donaustandes eineso geringe, dass das Wasser nimmermehr als zum Genüsse tauglich angesehenwerden kann.

Diesem Uebelstande vermag die Filtrirung durch den Schotter auf dem Wegezu den Sauge-Canälen nicht abzuhelfen.

Es ist eine durch vielfältige Erfahrungen erwiesene Thatsache, dass imWasser aufgelöste Substanzen sich mittelst Filtrirung durch ein künstliches odernatürliches Schotterbett von so geringer Ausdehnung nicht ausscheiden lassen. Im vor-liegenden Fall aber kann dies um so weniger gelingen, als eben bei niedrigen Donau-ständen, also bei der verhältnissmässig stärksten Verunreinigung, auch die Filtrationam unvollkommensten ist, da alsdann nicht nur die filtrirende Fläche sich verkleinert,sondern durch das nothgedrungen directe Einlassen des Wassers auch der durch denSchotter zurückzulegende Weg bis auf ein Minimum abgekürzt wird.

Sollte also die Kaiser Ferdinands-Wasserleitung in ihrer jetzigen, sehr un-vortheilhaft gewählten Lage noch längere Zeit zur Lieferung von Trinkwasser dienenmüssen, oder sollte man sogar eine Erweiterung dieser Werke für erspriesslich er-achten, so wäre es vor Allem unumgänglich nothwendig, in der ganzen Länge derStrasse bis nach Nussdorf einen gernauerten Unraths-Canal anzulegen,welcher alle unreinen Abflüsse jener Gegend aufzufangen und selbige vorläufig unter-halb des Maschinenhauses in den Donau - Canal zu ergiessen hätte, bis zu der Zeit,wann die gesanunte städtische Entwässerung vereint und unterhalb der Stadt ab-geführt sein wird.

Der Donau -Canal erleidet überdies durch die auf demselben betriebene Schiff-fahrt, durch die dabei beschäftigten Personen , durch das Flössen, Lagern und Auf-schleppen von Holz, und durch das Hineinwerfen der verschiedenartigsten Stoffe eineweitere nicht unbeträchtliche Verunreinigung.

Es führt endlich sogar der Wind, wie überall in unmittelbarer Nähe der grossenStädte, eine Menge organischer Bestandtheile und jene Gährungskeime, welche dieFäulniss und die Verwesung so sehr befördern, mit in das Wasser hinein. Alle diese

Untauglichkeit desWassers zum Trin-ken.

Einwirkung der Fil-trirung' auf dasWasserdos Donau - Canales.

Nothwendigkeit einesUnraths-Canales nachNussdorf.

Weitere Verunreini-gungen des Donau -Canales.