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Beschaffenheit desAA'assers der Ferdi-nands-Leitung.
Temperatur desAA'assers.
Zeitweilige Trübungdes Wassers.
AA r eitere Beschaffen-heit des AA'assers.
Verunreinigung desDonau-Canales durchunreine Zuflüsse.
Es müssen also, um das gleiche Quantum Wasser zu erhalten, nach Verlaufeiner gewissen Anzahl von Jahren immer wieder neue und sehr kostspieligeVerlängerungen der Saug-Canäle vorgenommen werden.
Weit ernstlichere Bedenken liegen jedoch bezüglich der Beschaffenheit des vonder Ferdinands-Leitung gelieferten Wassers vor.
In dieser Beziehung sind so verschiedene Urtheile ausgesprochen und so ent-gegengesetzte Meinungen laut geworden, dass es wohl am richtigsten sein wird, vonden vorliegenden nicht übereinstimmenden Urtheilen gänzlich abzusehen und sich einzigund allein auf die Darstellung der massgebenden Verhältnisse zu beschränken.
Das Thermometer giebt allerdings das sicherste Mittel an die Hand, um zuprüfen, ob das dem Donau -Canale zeitweilig mit einer Wärme von 16 bis 17 Gradentnommene Wasser auf seinem Wege durch den filtrirenden Schotter so viel Wärmeabzugeben vermag, um bei den Consumenten in einer zum Trinken angenehmen Tem-peratur anzulangen.
Aber die Frische des Quellwassers kann das warm gewesene und wiederabgekühlte Wasser jedenfalls nicht wieder erlangt haben.
Die sich zeitweilig einstellende Trübung des von der Kaiser Fer-dinands-Leitung gelieferten Wassers ist einem jeden Einwohner Wien’s zur Genügebekannt.
Alle angewendeten Mittel, diesem von Zeit zu Zeit aus einer oder der anderenUrsache eintretendem Uebelstande vorzubeugen, sind bisher ohne Erfolg geblieben.
Die sonstige, dem Auge nicht wahrnehmbare Beschaffenheit des AVassers hängtwesentlich von zweien Factoren ab:, einmal von der Qualität des Wassers im Donau -Canale, und sodann von dem Effect der Filtration durch den Schotter, welchendasselbe auf dem Wege in die Saug-Canäle zu durchdringen hat.
Das Wasser im Donau - Canale ist — ganz abgesehen von der später ,.zuerörternden Frage, ob überhaupt die Versorgung einer städtischen Bevölkerung ausgrossen Flüssen unter allen Umständen rathsam sei — leider durchaus nicht frei vonmehrfachen und sehr bedenklichen Verunreinigungen und sogar nicht frei von Productender Fiiulniss.
Bei näherer Durchforschung der Localität findet sich nämlich etwa 500 Klafteroberhalb der Saug-Canäle der Ferdinands-Wasserleitung die Einmündung des soge-nannten Arbes-Baches, welcher von Sievering und Unter-Döbling viele Schmutztlieilemit sich führt, und aus den Seitengräben der theilweise bebauten Nussdorfer Chausseenoch andere unreine Abflüsse aufnimmt.
Das weiter oberhalb gelegene Nussdorf, welches allerdings zum Theil an diegrosse Donau gränzt, jedoch von derselben durch einen hohen Schutzdamm abgeschie-den ist, sendet ebenfalls durch ein gemauertes Brückl unter dem Treppelwege unddurch den unterhalb ausmündenden Haupt-Unrathscanal seine gesammten Schmutz-abflüsse in den Donau -Canal.