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Yortlieile dieses Pro-jectes.
Mängel und Nach-theile dieses Pro-jectes.
Es können demselben unterhalb der Erlacher Spinnfabrik vor seiner Ein-mündung in die Leitha , unbedenklich mindestens 50 Cubikfuss per Secunde, oder2,500.000 Eimer täglich, entnommen werden.
Leider ist eine Ableitung des Pithen-Flusses, wegen der zahlreichen oberhalbgelegenen Werke und Fabriken, zur Versorgung der Stadt mit Trinkwasser nichtgeeignet.
Aus dem vorstehend skizzirten Sachverhalt ist bereits vor Jahren das Projectentstanden, das verfügbare Wasser des Pithen - Flusses dem Wien -Neu-städter Canale zuzuführen, hiedurch die an demselben gelegenen Werke reich-licher zu speisen und die Schiffahrts-Verhältnisse möglichst zu verbessern, endlich aberdem Canale am unteren Ende bei Simmering ein Quantum von 500.000 Eimern pr. Tagzu entnehmen, dies Wasser durch ein gesondertes Köhrennetz in die Stadt zu leitenund zur Besprengung der Strassen etc. zu benutzen.
Für häusliche Zwecke und zum Trinken ist dies Wasser schon wegen der be-deutenden Verunreinigung, welche es im Laufe durch den Wien -Neustädter Canal er-leidet, ganz entschieden nicht verwendbar.
Dieser Vorschlag hat — es lässt sich nicht läugnen — manches Empfeh-lenswerthe für sich. Der Gedanke, den bereits bestehenden Scbiffahrts-Canal alsLeitung des Wassers bis nach Wien zu verwenden, ist ein glücklicher. An demprojectirten Pithen - Canale lassen sich einige neue Werke errichten; die Werke amWien -Neustädter Canal gewinnen bedeutend durch reichliche Vermehrung des Betriebs-wassers; die Canal - Schiffahrt hofft von Versandungen und Pflanzenwuchs wenigerbelästigt zu werden, und endlich erhält die Stadt Wien von dem herangeführten Wasserein Quantum von 500.000 Eimern für die Strassenbespülung mit dem verhältnissmässignicht bedeutenden Aufwande von 1,700.000 fl.
Wenn dies Project gleich nach verschiedenen Seiten hin Vortheile darzubietenscheint, so ist doch dabei, näher betrachtet, der Gewinn der Stadt Wien einkeineswegs überwiegender.
Die geringe Druckhöhe des Wassers, 65 bis 70 Fuss über Null, reicht nämlichnicht einmal bis an das Pflaster des Burgthores, noch viel weniger über den ganzenKayon der Stadt.
In Folge dessen bleiben die mittleren und höheren Districte, zwei Fünftheileder ganzen Oberfläche umfassend, mit den Bezirken Josefstadt , Neubau und demgrösseren Theile von Mariahilf , Gumpendorf , Wieden , Alsergrund etc. von den gehofftenVortheilen für die Besprengung der Strassen, die Feuerlöschung, Reinspülung der Canäle,u. dgl. ganz und gar ausgeschlossen.
Die projectirte Anlage ist also wieder eine halbe Massregel; siebeschränkt sich von vorne herein auf nur einen Theil der Stadt. Be-züglich des übrigen Theiles, für welchen die nämlichen Bedürfnisse vorliegen, muss
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nach wie vor anderweitig vorgesorgt werden.