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Wien's Wasserversorgung : eine Denkschrift ... / Aug. Fölsch und Carl Hornbostel
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17
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Es erhält ferner die Stadt Wien , welche doch die Kosten dieser Anlagen zubestreiten hätte, von den 2,500.000 Eimern, die dem Pithen-Fluss entnommen werdensollen, nur etwa den fünften Theil, und zwar ein verunreinigtes Wasser,das für häusliche Zwecke oder gar zum Trinken vollständig untauglich ist.

Dasjenige aber, was der Stadt bis jetzt ganz fehlt und dessen die zahlreicheBevölkerung am dringendsten bedarf, ein reines, gesundes Trinkwasser: daserhält sie durch dies Project nicht.

W asser zum Trinken und für sonstige häusliche oder gewerbliche Zwecke muss also Nachtheüe einer dop-jedcnfalls von anderer Seite her beigeschafft werden, und da dasselbe mit dem Canalwasser P elt ® n . VeiS01 S nu onicht gemischt werden darf, so müssten bei Ausführung dieses Projectes die Canalwasser.Strassen mit zwei gesonderten Köhrenleitungen, die eine für reines Trink-wasser, die andere für unreines Canalwasser, durchzogen werden.

Solch vollkommene Theilung einer grosstädtischen Versorgung in eine Kein-wasscr-Leitung und ein anderes, getrenntes Köhrennetz für minder reines Wasser, odergar eine doppelte Zuleitung in die Häuser für zwei Gattungen von Wasser, existirt bisjetzt nirgends, und wenn man neuerdings etwas Aehnliches für Paris in Vorschlagbrachte, so geschah dies einzig nncl allein deshalb, weil die Zuleitung des schlechten,ungeniessbaren Wassers bereits existirt, und weil überdies die vereinigte Leistung vondrei grossartigen, theils zur Ausführung genehmigten, tlieils projectirten Aquäcluctenmit einem Gesammtkosten-Aufwande von 62 Millionen Francs nicht einmal ausreichenwird, dieser riesigen Stadt eine für alle Zwecke ausreichende Wassermenge zuzuführen.

Ein zweifaches Röhrennetz vermehrt nicht nur die Anlage- sowie die Vertheuernng derBetrieb s-Kosten um ein Bedeutendes, sondern es würde namentlich für Wien , Anla g e ' mll ^ Betlie,:,s

7 kosten,

bei den engen Strassen und der schon vorhandenen Anzahl verschiedener Leitungs-röhren *) manche andere Unannehmlichkeiten zur Folge haben.

Der Vortheil der Stadt Wien bei dem Projecte, dem Wien -Neustädte)'-Canalam oberen Ende mehr Wasser zuzuführen und einen Theil dieses Wassers am unterenEnde in ein besonderes Röhrennetz zu leiten, ist also durchaus kein überwiegender.

Jedenfalls kommt man auf diesem Wege der Lösung der Cardinalfrage derVersorgung der Stadt mitreinem, gutem Wasser für häusliche und gewerb-liche Zwecke um keinen Schritt näher, sondern bleibt nach wie vor auf andereBezugsq uellen angewiesen.

Ein Ausweg, welcher vielleicht einigen Erfolg versprechen könnte, wäre der Auffangung von

Versuch, dem S cho t ter boden der W ien-N eus t ädt er-FI o cliebe n e mittelst Grundwasser aus der

, o i o ii , , , Wien -Neustädter

sogenannter Saug-Ganale oder benkhrunnen das Grundwasser zu ent- , ,n ° Hochebene.

ziehen, dasselbe aufzufängen und gesammelt zur Stadt zu leiten.

*) Es liegen schon jetzt in manchen Strassen, z. 13. in der Hernalser Hauptstrasse, bei demKärnthnerthore etc., vier ßöhrenstränge, alle von verschiedenen Wasserleitungen.

Grund genug, die neuen Anlagen nach Möglichkeit zu vereinfachen, nicht aber noch mehr zucompliciren.

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