THEBEN.
147
um denselben angeklebten weissen Häuschen, zwei Minarets, die sich mitten unter diesen Restendes dem Islam so verhassten Heidenthums seltsam ausnehmen, und mit einem Obelisken, der hinterden hohen, verfallenden Mauern des nahen Heiligthums hervor auf die Ankömmlinge herabschaut.Der Tempel wurde von den Anwohnern noch unlängst als Wohnstätte und zur Unterkunft füreine arabische Elementarschule benutzt, jetzt aber ist er, dank der Fürsorge und dem Drängen derDirection des Museums von Gizeh , gereinigt, von seinen Bewohnern befreit und, soweit es an-
ging, besser in Stand gesetzt worden.
Das alte Theben hatte seinen Namen von den Griechen erhalten, die in allem helle-nische Benennungen zu finden suchten, während in Wirklichkeit die Stadt unter den Aegyptern
iss
den Namen „Apu“ (Götzen-throne) führte mit dem Präfix„T“ im Anlaut. Daraus haben die classischen Schrift-steller ©vjßai gebildet, die Muhammedaner aber, die indem verödeten Palaste unbekannter Götter Bautenerblickten, benannten dieselben „El-Kusur“ (Schlösser);aus diesem Worte entstand „Luksor “. Dahin wares mit der Nachkommenschaft der alten Aegypter gekommen, dass sie hier ihr unsauberes, arm-seliges Nest baute, bis sich die Aegyptologen für berechtigt hielten, die Eindringlinge vordie Thüre zu setzen.
Hier sollen die erlauchten Reisenden ihren ersten Aufenthalt in Ober-Aegypten nehmen,uni mit den Alterthümern näher vertraut zu werden, die sich ein paar Schritt weit von demLandungsplätze des Dampfers befinden. Man braucht diesen nur zu verlassen und an die Granit-säulen heranzutreten, die den wunderbaren Bau stützen, und mit einem male fühlt man sich indas Bereich der Sage entrückt. Man vergisst die Zeit, in der man lebt, und was man von fernfür ganz seltsam und geheimnissvoll gehalten hat, wird zur wirklichen Erscheinung. Die Steinehaben durch die Jahrtausende hindurch den unvergänglichen Bericht über entschwundene Zeiten,Glaubenssysteme und Heldenthaten aufbewahrt. Die Vergangenheit ersteht vor uns, sie legt sich