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THEBEN.
wie eine Steinmauer zwischen uns und unser Jahrhundert, sie belehrt und beflügelt die Gedankender staunenden Seele.
König Amenhotep III . (1500 v. Chr.) hat das Sanctuarium ausgeschmückt. Mit dem Namendieses Pharao ist eine uralte Zeit verknüpft, so alt, dass man nicht weiss, ob sie wirklich so existirthat, wie wir sie uns vorstellen, oder ob unser Geist, dem ja selbst das gestern Geschehene nichtvollbewusst ist, mit seinen Annahmen nicht ein leeres Spiel treibt. Und sollen wir noch dazuglauben, dass der Tempel hier sogar noch viel früher bestanden habe und erst später erneuert wordensei? Man müsste sich also in Gedanken fünf Jahrtausende vor uns zurückversetzen, um den Zeit-punkt der Entstehung des Tempels von Theben zu erreichen.
Der Tempel steht etwas unter dem Uferrande, sodass man zu ihm hinabsteigen muss.Dieser Umstand gestaltet unsere Eindrücke charakteristischer: es will scheinen, als stehe manvor einer offenen Riesengruft, die man mit oder ohne Absicht unverschüttet gelassen hat. Esist, als ob die Todten Angst hätten, den ihnen anvertrauten geistigen Schatz für immer mitzu-nehmen, zugleich aber ausser Stande wären, ihn den Urenkeln zu überliefern. Rund um die Mittedes Göttertempels, in seiner Art eines „Allerheiligsten“, das dem gemeinen Volke verschlossen blieb,reihten sich im Laufe der Jahrhunderte die anliegenden majestätischen Räume. Die Reisendenwerden in eines davon geführt, dessen Wände tiefsinnige Bildinschriften zieren. Hier erblickt manAmenhotep’s Mutter Mutemua und seine Geburt. Schöne junge Göttinnen, Hathor genannt,sind gleich guten Feen bei dem Neugeborenen erschienen und unterstützen lächelnd die schmerz-erfüllte Königin, während sie über dem Sohne ihre untrüglichen Glückwünsche aussprechen.Es sind zwei Kinder; das zweite wird unmittelbar hinter dem ersten auf den Armen gehalten.Darin liegt ein tiefer Sinn verborgen. Die alten Aegypter lebten der Ansicht, dass in jedemMenschen ein besonderes Lebensprincip, „Ka“ genannt, existire. Wenn der Körper starb, so bliebdas „Ka“ unversehrt, indem es in irgendeine dem Verstorbenen ähnliche Statue oder ein Bild wanderte.Ein solches Bildniss wurde dann nahe bei der Leiche in deren ewigem Wohnorte eingemauert.Sollte auch die Mumie der Vernichtung anheimfallen, das „Ka“ konnte weiter leben.
Die Person des Pharao ragte über die andern Sterblichen viel zu hoch hinaus, als dasssein „Ka“ nicht ein besonderes Interesse erweckt hätte. Davon können wir uns hier in Luksor überzeugen, wenn wir die Geburt Amenhotep’s betrachten. Das mütterliche „Ka“ ist über ihn unddie Königin geneigt und verkündigt ihnen Glückseligkeit. Das Kind und sein geheimnissvolles„Ka“ sind dargestellt, wie sie von der „göttlichen Kuh“ (ebenfalls der Göttin Hathor ) gesäugtwerden, wie Safech, die Göttin des Wissens, sie in das Buch der Könige einträgt, wie sie dieObergötter anbeten u. s. w.
Die erlauchten Reisenden vertiefen sich in die Besichtigung der Ruinen. An einer Stellewerden den Hoheiten die Reste einer christlichen Kirche gezeigt, die ungefähr dem 6 . Jahr-hundert angehören mag, als in der Theba'is jener Glaube Wurzel zu fassen begann, der dieheidnische Welt umgestaltet hat. Die Heiligenbilder mit dem Glorienscheine um das Hauptsind nicht ganz verwischt; unter der abgebröckelten Stuccatur schauen geisterhaft die altägyptischenGötter mit ihrem unnatürlichen, symbolisirten Aeussern und den wunderlichen Namen hervor.Neben dem ehemaligen Altar gewahrt man undeutliche Ueberreste byzantinischer Malerei, halb-verwischte Reiter, sammtenes Schuhwerk, endlich Bruchstücke griechischer Inschriften.
Die Reisenden begeben sich zum Ausgange des von Schutt und wüstem Getrümmer nochnicht gesäuberten Heiligthums von Luksor . Da ist jener Theil des Baues, den Ramses derGrosse errichtet hat. Auf den Abbildungen kommt der Pharao selbst vor: bald als Riesengestaltauf einem Streitwagen, die Feinde niederschmetternd, bald auf dem Throne, die Huldigung derBesiegten und Gefangenen entgegennehmend. Der mit solchen Darstellungen Vertraute sieht das