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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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ELLORA .

unten an der Vorhalle des Tempels auf. Am Eingänge zum Heiligthum stehen liebliche Hindu-kinder und führen die kleinen Händchen andächtig zur Stirn. Theilnahmlos kauern in einer Eckeeinige Bettelmönche mit wildem Blick, rasirtem Kopfe und einem Ringe im Ohr: ein solcher istin mehrern Sekten streng, unter Androhung des Ausschlusses aus der Kaste, vorgeschrieben.

Oben im zweiten Stocke des Tempels ist keine Seele; tiefe Stille herrscht, nur die ent-thronten Götter hausen hier in ihrem königlichen Gemache, und wenn man einen schwachenSchlag gegen einige Säulen führt, die sich in der Tiefe der grossartigen Grotte befinden, soerklingt ein unerklärlicher melodischer Ton, als wollte er der vergeblichen Klage über das, washingeschwunden ist und niemals wiederkehren kann, Ausdruck verleihen.

Der Donnergott Indra, der Zeus der Griechen und der Perun der Slaven, erweckt un-willkürlich die Erinnerung daran, welche Bedeutung diese Gottheit der Vedas und des indischenHeldenliedes gehabt haben mag, als die Arier (die Ackerbauer) bei ihrem Vordringen in Indien ihr die begeistertsten Loblieder und zahlreiche Opfer darbrachten. Die rohen Eingeborenen galtenohne weiteres für unversöhnliche Feinde, Ausgeburten der Finsterniss. Das Tagesgestirn (Surya)schützte die Guten im Kampfe mit diesen Culturfeinden. Im Gewittercultus feierte der Arier denTriumph der Feuerelemente über das Chaos der Welt. Als eine specifische Gottheit der Brahmanenwurde Agni (der Beweger) zum Beschützer des Wohnherdes der Ankömmlinge aus dem fernenNordwesten.

Der kampfestüchtige Feuergott Agni steht an kriegerischen Eigenschaften doch seinemZwillingsbruder, dem Gotte der Kriegerkaste (der Kschattriyas), dem Vorkämpfer erobernderCulturarbeit, dem Haudegen Indra , nach. Zwar besitzt Agni ein Paar tiefgelber, blendender Augen,sieben unruhig leckende Flammenzungen und einen mit rothen Rossen bespannten Streitwagen,Indra aber hat tausend Augen, die über seinen ganzen Körper gesäet sind, in der Rechten führter den schlangenförmigen Blitz, dazu reitet er auf einem gewaltigen Elefanten, der alles nieder-stampft, was ihm in den Weg kommt. Wenn Indra , der Gewitterkönig, die ruchlosenBarbarennur anhaucht, so sind sie der Vernichtung geweiht und zerfallen zu Asche. Bei der Betrachtungdes steinernenDonnerschleuderers im alten Dschaina-Tempel glaubt man den leibhaftigen Indra vor sich zu sehen, wie er im nächtlichen Kampfgetöse über den arischen Kriegern schwebt, jaes will bedünken, als vernehme man die Gebetshymne, mit der sich die bedrängten Arier zu ihremHauptbeschirmer wenden:

O Herr der Schlachten und der Siegesfreude,

Erheb dich über uns im Blitzgeschmeide!

Am Himmel zuckt und zittert WetterleuchtenUnd sein Azur erlischt in Sturmeswolken.

O Morgengrauen, fernes Morgengrauen!

Wann brichst du endlich an zu unserm Heile?

Wie lange säumst du in des Abgrunds Tiefen,

Wo Licht und Tag vom Dunkel nie umwoben?

Dort aus des Weltalls unermessnen Weiten,

Dem lichten Reiche schlummerloser Sterne,

Brich auf, o Sonne, hehre Gnadensonne!

Wann wirst du unserm Stamm zum Siege leuchten?

So dachte man sich zur Vedazeit den Indra aber im Volksbewusstsein erbleichte dieHeldengestalt allmählich, bis sie innerhalb des Götterkreises nur noch in sehr heruntergekommenerForm auftrat. Der Donnerer hat seine Blitze dem Einsiedler-Weisen Buddha überliefert, welcherüber die Natur herrscht und sie mit dem Vadschra in Gehorsam hält, jener ehemaligen Waffe des