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sich nach Assam und Indochina , um die dortigen Colonialverhältnisse vom Standpunkte einesPioniers der germanischen Civilisation im schwarzen Welttheil zu studieren, ferner, um die Fragezu lösen, ob es möglich sei, mit der Zeit den afrikanischen Elefanten zum Kriegs- und besonderszum Transportdienst abzurichten, gleich den Riesen der indischen Dschungeln oder vielmehr gleichden zur Blütezeit der karthagischen Macht und noch unter den Ptolemäern verwendeten afrika-nischen Elefanten. Sich die Kraft und Ausdauer der afrikanischen Elefanten nutzbar machen zulernen, ist gewiss recht wünschenswerth, und man kann den Plan der Deutschen , ein so werth-volles Mittel zur Ueberwindung der im Negerlande sich ihnen gegenüberstellenden Hindernisse zugewinnen, nur höchst praktisch und zeitgemäss finden. Eröffnet es doch den die Enge ihrer Heimatdrückend empfindenden Landsleuten von Ehlers eine so ausgedehnte Arena der Colomsationsthätigkeit,dass, je eher ihr Drang nach Süden freier und zweckbewusster neue Bahnen einschlägt, um so ehereine ökonomisch wohlthätige Erleichterung für den Westen des europäischen Continents emtreten muss.
Unter den vornehmen Eingeborenen im Saale fesselt aller Blicke der fabelhaft reiche gingeMaharadscha von Kutsch-Bihar , der selten die Nationaltracht anlegt und die europäische Mode vor-zieht; nach englischem Geschmack erzogen, ist er von allen Kasten verstossen.
Heute prangt er in Seide und Kleinodien. Seine nächsten Vorfahren standen noch auf demNiveau der Halbwilden und gaben sich alle Mühe, mit Hülfe der Brahmanen ihre Fürsten - undsogar ihre Menschenrechte anerkannt zu sehen; er aber löste sich berate von ,edem Zusammen-hang mit der Welt seiner Ahnen los und verheirathete sich mit der Tochter eines Reformators,der den sogenannten „Brahmoismus“ predigte, eine Religionsgemeinschaft welche die mittelalter-liche Organisation des Brahmanismus aufheben möchte, indem sie an den Geist des Veda anknüpft,nicht ohne denselben zum Theil rationalistisch zu interpretiren. ...
Die Fürstin (Maharani) fuhr mit ihrem Gemahl über Meer, wurde von der Königin Vic-toria und der Aristokratie Grossbritanniens aufs gastfreundlichste empfangen und verkehrte mitihnen einfach als „Mrs. Cutch“. Sie weilt ebenfalls in der überaus zahlreichen Gesellschaft und istübrigens nicht allein. Man bemerkt noch mehrere Damen einheimischer Rasse Indien erschliesstsich den Emancipationsideen. Viele Zenanas (Harems) haben sich aufgethan. Hinter ihren Mauernwächst das Bedürfniss nach Bildung. Die männliche Jugend sucht unterrichtete und möglichstfortschrittlich erzogene Frauen. Die Missionarinnen werden gern als Lehrerinnen und Rat-geberinnen bei Kinderkrankheiten, als moralische Stütze be, häuslichen Streitigkeiten u. s. w. ge-rufen Die energische Lady Dufferin machte geschickten Gebrauch von ihrer Lebensstellung, indemsie einen grossen Fond gründete, der aus den hochherzigen Spenden deriemgen Radschas zusammen-
„ ,. ® . I - • Organisation der ärztlichen Hülfe für das schwache Geschlecht an-
floss, die eine zweckmassige urgamsauuu . . u ,
streben, da dieses unter der Gleichgültigkeit und dem Aberglauben seiner Umgebung seit altersherbittere Noth leidet Die edle Menschenfreundin berief Aerztinnen (die erste, die kam, war FräuleinHelena Bourchier) und Hebammen, eröffnete ein Dutzend Kliniken und Heilanstalten für chronischKranke und hinterliess ihrer Nachfolgerin, der ebenso human gesinnten Marchioness o Lansdowne,nicht nur ihre Initiative, sondern auch ein beträchtliches Kapital, das sie hauptsächlich aus denSuenden der Fürsten von Dschaipur, Alwar und anderer gewonnen hatte.
P Die Gerechtigkeit verlangt hier die Angabe, dass die erste wirkliche Wohlthätenn des weib-lichen Geschlechts in Indien Miss Carpenter gewesen ist, die Schwester des berühmten Physiologen.Schon auf der Schwelle des Greisenalters stehend, kam sie aus England, vertiefte sich in dre Lageder leidenden Mütter und Wöchnerinnen und gründete zu ihrer Unterstützung 1870 die „NationalIndian Association“, die jetzt unter dem Protectorate der Prinzessin von Wales steht.
Bisjetzt widerspricht vieles in dem einheimischen streng abgeschlossenen Familienlebenallen Anforderungen der Hygieine. Manche rein religiöse Ceremonien schreiben Verhaltungs-& 8
Orientreise. II.