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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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IM REICHE DER ELEFANTEN.

ganzen Umfange dargestellt und begriffen worden ist. Siams Beziehungen zu Birma wurdenschon von mir charakterisirt, als vom mittelalterlichen Ayodhya die Rede war. Sein ehemaligerZusammenhang mit den andern Nachbarstaaten ist aber noch interessanter und wichtiger, wennman die nächste Zukunft ins Auge fasst.

Annam und Siam führten von alters her widereinander Fehde, da das erste hartnäckig denVersuch wiederholte, sich endgültig zunächst das Reich Ziampa (d. h. Cochinchina), dann aberauch Kambodscha zu unterwerfen. Im Jahre 1313 wurde vom Menam aus ein gewaltiges, ausKriegern der jetzigen Laos -Provinzen bestehendes Heer nach dem Norden entsandt, um die MachtSiams auf den Trümmern des Chmer-Staates zu befestigen. Die Annamiten bildeten sozusagendie Avantgarde des nach Süden strebenden China . Ihre Antagonisten personificirten das zähe,geschmeidige Inderthum, das weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus vorgedrungen war.Es colonisirte eben Java und schuf es in seinem Geiste um, ebenso einen Theil der ihmbenachbarten Malaienländer; dann drang es an die indochinesischen Küsten vor, zwang sogardas prosaische Himmlische Reich, den Zauberreiz seiner geheimnissvollen Weltanschauung zukosten, und trug das Licht seiner Weisheit tief in das Innere des Continents. Wäre es denLandsleuten der brahmanischenHeiligen und Buddhas gelungen, das Samenkorn des arischenGenius noch weiterhin und noch tiefer in das Innere Asiens zu verpflanzen, wahrlich, es würdefruchtbarer auf die fernere Entwickelung der begabten Völker der mongolisch-malaiischen Misch-rasse eingewirkt haben als die systematisch alles und alle nivellirende Civilisation der Nachfolgerdes Konfucius.

Im Jahre 1780 schwang sich der einflussreiche siamesische Oberst Tschatri oder Tschakraauf den Thron. Der frühere König hatte ihn mit einer Armee gegen Kambodscha geschickt, dassich auf die Seite der Annamiten geneigt hatte. Zugleich hatte er sich die Abwesenheit despolitisch gefährlichen Beamten zu Nutze gemacht und dessen Familie in seine Gewalt gebracht.Unterdessen waren aber im Lande Aufstände ausgebrochen, und Tschatri, der rasch mit dem FeindeFrieden schloss, kehrte zum Verderben seines Beleidigers zurück, dessen Thron ihm sofort zufiel.

Seit jener Zeit haben sich die althergebrachten schlechten Beziehungen zum nördlichenAnnam etwas gebessert. Als im-Jahre 1783 die malaiischen Soldaten sich gegen den König vonKambodscha empört hatten, nöthigten sie ihn, nach Bangkok zu fliehen. Dorthin kam sehrbald, ebenfalls hülfesuchend, der Herrscher von Cochinchina , Nguen Auh, in der Geschichte vonIndochina bekannt unter dem Namen Gialong (eigentlichfürstliche Ausdehnung), der ausseinem Heimatlande durch ihm feindselige Stammesgenossen (aus dem Nordwesten) vertriebenworden war. Mehr als einmal zog der Verbannte aus Bangkok aus, stets in Begleitung beträcht-licher Hülfstruppen und der siamesischen Flottille, um sein Land bei Saigon zurückzuerobern. Diesgelang ihm jedoch lange Zeit nicht, obwol diejenigen Südannamiten, die ihrem Fürsten trotzseiner Niederlagen die Treue bewahrten, ihm auf jede Weise ihre Unterstützung kräftig zutheilwerden Hessen . Endlich aber durfte er triumphiren. Solange der Kampf noch unentschieden hin-und herschwankte, beschäftigten sich die Flüchtlinge aus Cochinchina zu Bangkok mit allerleiHandwerken und halfen den Siamesen unter anderm mit Erfolg ganz besonders im Kriege gegenBirma, ausserdem aber auch in der Verfolgung der malaiischen Seeräuber, welche die Künstevon Siam verwüsteten.

Nach dem Siege wurden die guten Beziehungen zu Siam nicht abgebrochen: in derFolge wurde noch im Jahre 1797 hierher aus Saigon eine für die damalige Zeit ziemlich gutgerüstete, 10000 Mann starke Armee gegen die Birmanen ins Feld geschickt. Ein Jahrspäter kam Bangkok dem Fürsten Gialong in dessen Kampf mit seinen nördlichen Nachbarn zuHülfe, indem es gegen dieselben durch die befreundeten Laos -Provinzen ein Heer absandte.