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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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SAIGON UND CHOLON.

Die Ereignisse in Europa unterbrachen nur, was unvermeidlich war. Saigon wurde imJahre 1859 französisch. Dies geschah, als Napoleon III. im Bunde mit der spanischen Regierungso etwas wie einen Kreuzzug wider das heidnische Indochina anordnete. Unter dergelbenFahne von Annam, der Fahneder Kinder des Himmlischen Reichs, wie sich die Annamitenin ihrer Naivetät nannten, bestand damals ein schlechtes Verhältniss zu den eingeborenen Christen.

Der Kampf um Cochinchina ging nicht ohne beträchtliche Opfer ab, dank der Tapferkeitder einheimischen Truppen, die sich hinter Verschanzungen vertheidigten,die einige Jahrzehnte früher von in hinterindische Dienste getretenenfranzösischen Ingenieuren aufgeführt worden waren. Nachdem Frankreich in Gemeinschaft mit Spanien gesiegt hatte, veranlasste es das letztere, Cochin-china zu räumen. Es motivirte dies damit, dass den Bundesgenossen

EMPFANG IN SAIGON.

grössererRuhm in Tonkin lächeln würde. Ruhm hatten die armen Spanier schon errungen, sichaber auf weitere zweifelhafte Expeditionen einzulassen, dazu reichten ihre Kräfte nicht mehr hin.

In Paris ist man sich noch nicht genügend bewusst, was die Erwerbung der Länder Hinter-indiens für Frankreich bedeutet. Es gibt sogar nicht wenige Stimmen, welche die Colonialpolitikder Regierung verurtheilen. Indessen könnten die Franzosen , falls sie mehr weitsichtige Staats-männer besässen, im Stillen Ocean und in Südasien eine viel grössere Rolle spielen als bisher.Schon 1682 wiesen z. B. ihre energischen Seeleute auf die ökonomische und strategische Be-deutung der Meerenge von Malakka hin, allein niemand fiel es ein, diese glänzende Idee zu ver-wirklichen. Anstatt die siamesische Gesandtschaft im Jahre 1682 durch ganz Frankreich, Flandern inbegriffen, mit der grössten Parade herumzuführen und dieselbe den Hofdamen die Cour machenzu lassen, wäre es zweckmässiger gewesen, wenn man die Bedingungen studirt hätte, unterwelchen es wünschenswerth und möglich gewesen wäre, zu Asien in innigere Beziehung zu tretenund mit den dortigen Völkern wirkliche Freundschaftsverhältnisse anzuknüpfen.