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SAIGON UND CHOLON.
Das in europäischem Stil wieder aufgebaute Saigon , das sich an der Stelle erhebt, woeinst die Wohnstätten der Eingeborenen lagen, die bei der Vertheidigung diese selbst nieder-gebrannt hatten, bietet keine besondern Sehenswürdigkeiten. Charakteristisch ist nur dieKathedrale, die eine M illion Mark gekostet hat. Das Material für sie wurde zum Theil aus Stein-brüchen in der Nähe von Paris beschafft. Interessanter sind einige Denkmäler, die in der jungenStadt zum Andenken an Pioniere der Colonisationsidee errichtet worden sind. Die Todten, denenzu Ehren sie gesetzt wurden, bilden den Nationalstolz der Franzosen . So erheben sich z. ß.hier die Statuen des tapfern Admirals Rigault de Genouilly, Doudart de Lagree’s , des Ober-
befehlshabers der bekannten Expedition an den Mekong , sowie das Denkmal des in der Blüteseiner Jahre von den Piraten getödteten, hochbegabten Reisenden Francis Garnier . Eine solche
Anerkennung der Dienste jener Männer für das Vaterland zeugt für die tiefe Einsicht jener Männer,
deren Obhut die Interessen des indochinesischen Frankreich in erster Linie anvertraut sind.
Beim Anbruch des Abends fährt die ganze Gesellschaft von Saigon in die Umgegendspazieren. Von sechs Uhr an rollen durch die die Stadt umgürtenden prächtigen Strassen ineiner unabsehbaren Reihe Ein- und Zweispänner mit malaiischen Kutschern.
Der Generalgouverneur lädt Ihre Hoheiten ebenfalls ein, sich vor dem Diner in der frischenLuft der Vorstadt zu erholen. Ein Theil unserer Fahrt führt uns durch die sogenannte „Grab-mäler-Ebene“, wo die Eingeborenen schon von alters her ihre theuern Dahingeschiedenen als in be-sonders heiliger Erde beisetzen, ja dieselben häufig von fern an diese Stätte bringen, wie dennder Cultus der Ahnen und Todten hierzulande überhaupt sehr üblich ist. Manche Gräber
zeichnen sich, soweit der flüchtige Eindruck während der Vorüberfahrt ein Urtheil gestattet, durcharchitektonische Eleganz aus und ähneln Miniaturpagoden. Die dazwischen verstreuten chinesischenGrabdenkmäler sind viel einfacher; viele bilden im Umriss ein Hufeisen. Die Annamiten stellenhäufig über der Asche ihrer Hingeschiedenen grob in Stein gehauene Figuren gesattelter Pferde auf.
Am beachtenswerthesten an dieser von der Frömmigkeit und Ehrfurcht dem Tode ge-weihten Stätte (Verehrung gemessen sogar die Steinplatten, die auf Grüfte gelegt werden, inwelche durch magische Mittel der Geist eines Verstorbenen gebannt wurde) ist der Ort der ewigenRuhe des erleuchteten Pigneau de Behaine (aus dem 18. Jahrhundert), der sich selbstverleugnungs-voll dem Missionsdienst in Annam gewidmet und sehr geschickt, und nicht ohne grossen Erfolg,versucht hatte, die Herren des Landes für die christliche Civilisation zu gewinnen und politischmit Paris in Verbindung zu setzen.
Zwischen der Persönlichkeit und Wirksamkeit dieses französischen Bischofs und der dessüdindischen Missionars Schwarz, über den ich in diesem Bande gesprochen, lässt sich eine ge-wisse Parallele ziehen.
Das Ende des ehrwürdigen französischen Geistlichen war in der Geschichte Cochinchinas ein wahres Ereigniss. Der König begab sich zum Lager des Sterbenden, schickte ihm seinebesten einheimischen Aerzte und ertheilte schliesslich den Befehl, die Leiche in Seidengewebenaufzubahren und zwei Monate lang dem Volke zur Verehrung auszustellen. Der vom Ver-storbenen erzogene Kronprinz Kanh legte für seinen Lehrer tiefste Trauer an und hielt Tag undNacht an seinem Grabe Wache. Die Mandarinen kamen von allen Seiten herbei, um von dem Dahin-geschiedenen Abschied zu nehmen. Bei der Leichenfeierlichkeit wurde dem Zuge ein mächtigesKreuz mit dem Allerheiligsten vorangetragen, ferner sechs kunstvoll geschnitzte Statuen der MutterGottes, der Apostel Petrus und Paulus , ein Verzeichniss der Ehrentitel des Verstorbenen u. s. w.Die in Goldbrocat gehüllte Bahre wurde von achtzig Mann getragen. Zu beiden Seiten derProcession schritten 120 Kriegselefanten. Die ganze Königsfamilie geleitete den Verstorbenen zuGrabe. Tausende von Fackeln erhellten phantastisch den Weg. Am Ziele angelangt, hielt König