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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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SAIGON UND CHOLON .

Kreuzung des Hausrindes mit eingefangenem wildem Rindvieh hervorgegangen ist. Diese Rassewird sorgfältig gezüchtet. An Fuhrwerke gespannt gibt sie an Schnelligkeit und Kraft den ein-heimischen Ponies nur wenig nach und eignet sich noch dazu selbst für die schlechtesten Fahrwege.

Der Abschiedsabend verspricht besonders fröhlich und glänzend zu werden. In derganzen Stadt wurde ein anonymes Circularschreiben versandt, in den wärmsten Ausdrückeneinen Aufruf an die Bürger enthaltend, der ihnen die Nothwendigkeit ans Herz legt, den Gastzum Abschiedsgruss noch dadurch zu ehren, dass man sich Punkt io Uhr vor dem Palaste ver-sammle, um seiner Equipage bis an den Quai das Geleite zum Ball auf dem SchiffeLoire zu geben.

Eine Menge Personen hatten der Einladung, den Grossfürsten-Thronfolger zu begleiten,Folge geleistet. Als die Menge den Wagen des Grossfürsten umringte, erhob er sich bei derKathedrale in seiner Equipage von seinem Sitze, um auf die herzlichen Willkommensrufe zu ant-worten, und rief mit lauter Stimme:Vive la France!

Dienstag, 31. März.

Die Offiziere übertrafen sich gestern selbst in der Kunst gastfreundlichen Empfangs undliebenswürdiger Ehrenbezeigung. Das dicht am Ufer liegende alte RiesentransportschiffLoire war mit seltenem Geschmack prachtvoll ausgeschmückt worden. Das innere Verdeck war in einenausgedehnten Ballsaal verwandelt worden. Der Tanz dauerte in Gegenwart und unter persönlicherBetheiligung Seiner Kaiserlichen Hoheit bis fünf Uhr morgens; noch nirgends hatten wir auf derReise Gelegenheit, uns so heiter und wohl zu fühlen; noch nirgends ist das Publikum in solche Be-geisterung gerathen. Lange werden wir diese Festnacht, die in brüderlichem Gedankenaustausch ver-strichen ist, nicht vergessen!

Die Bedeutung Cochinchinas und der ihm administrativ untergeordneten Länder trat unshier klar vor die Augen. Manche Auskünfte erhielten wir über die guten Eigenschaften derAnnamiten. Die besten Aufschlüsse wurden uns zutheil über den unerschöpflichen Reich-thum des Landes sowie über die mit Sicherheit zu erwartende glänzende Zukunft des jungenColonialreiches.

In erster Linie sollen seine Productionsquellen hervorgehoben werden. Diese sind nichtminder gross wie diejenigen Aegyptens, Mesopotamiens und Bengalens. Europäische Cultur-pflanzen und Obstbäume gedeihen in dem hiesigen Boden mit Leichtigkeit. Reis erster Güte,mit dessen Ausfuhr sich bisjetzt nicht französische Kapitalisten beschäftigen, sondern die sehr be-kannte Bremer Firma Rickmers, Mais, Baumwolle, Indigo, Betel, Taback, Zuckerrohr, Kaffee, Thee,Früchte und Gemüse aller Arten, besonders Melonen, allerlei Gewürze und Producte der phar-maceutischen Flora, kostbares, für dauerhafte kunstgewerbliche Erzeugnisse sich eignendesEisen- und Ebenholz, edle Holzsorten überhaupt, Seide, Elfenbein, Büffelhorn, Ochsenhäute, Salz,Fische u. s. w. werden zu Hunderten von Millionen Franken aus Saigon ausgeführt. Die Erzeug-nisse Cochinchinas sind in den Pariser und hauptsächlichsten Provinzial-Handelsmuseen Frankreichs ausgestellt. An den landwirthschaftlichen und industriellen Ausstellungen in Cochinchina, mitdenen schon im Jahre 1866 angefangen wurde, erhielten die eingeborenen Aussteller nichtwenige Gold-, Silber- und Bronzemedaillen zuerkannt. DieSociete dacclimatation de Paris er-theilte der Colonialregierung für ihre Bemühungen auf diesem Gebiete den höchsten Preis.Ein mächtiger Anstoss zur Entwickelung ist gegeben. Die Resultate werden wol bald von sichhören lassen, nachdem so praktische Leute wie die Franzosen wirklich einmal zu wirthschaftenanfangen werden.

Die Arbeitskraft ist selbst in Saigon ziemlich billig. Aus den Eingeborenen gehenwackere Handwerker hervor. Mehr und mehr werden Maschinen eingeführt. Wenn sich die Ein-