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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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SAIGON UND CHOLON.

mittel des Landes kamen die Mönche dazu, die Eigenschaften der giftigen SchlingpflanzeHoang-nan (Strychnos gautheriana) kennen zu lernen, mit welcher es den unserer Heilkunde fast unzu-gänglichen Lupus zu heilen gelingt. Auf dieselbe Weise wie die Giftpflanze zur Heilpflanze wird,dürfte auch die Kenntniss der innern Welt der Annamiten und die richtige Leitung des Volkesschliesslich eine Quelle des Segens werden. Möge es den Heilsverkündern aus dem Westenbaldigst gelingen, die gesunde psychische Anlage des eingeborenen Heiden mit der christlichenWeltanschauung zu adeln!

Nicht selten bekommt man die Frage zu hören, ob die Wahrscheinlichkeit dafür spreche,dass Frankreich die so weit entfernte Colonie auf die Dauer in seinem Besitz zu erhalten vermöge.Zur Stunde gibt es darauf nur eine bejahende Antwort, wie denn auch die auswärtigen Be-ziehungen der Republik einer solchen vollauf entsprechen.

Die Basis der Colonie ist vor jeder Invasion und vor zufälligen Aufständen in der Nach-barschaft gesichert. In Saigon befindet sich ein ausgezeichnetes Arsenal mit einem Schwimm-und zwei Trockendocks, von denen das eine genau dem von Toulon nachgebildet ist. Die Lagerder ausgezeichneten tonkinesischen Steinkohle, die im Stande wäre, im Stillen Ocean die Kohlevon Cardiff, Newcastle, Australien und Japan zu verdrängen, sind nach der Aeusserung der com-petentesten Ingenieure unerschöpflich. Gestützt auf eigene Bergwerke desschwarzen Diamanten,bewahrt das französische Indochina jetzt und später eine ganz unverwundbare Stellung und bildetüber ein weites Gebiet hin eine ernste Drohung für England.

Indessen ist die Organisation einer erfolgreichen Ausbeutung dieser Kohlengruben durchdie Ironie des Schicksals nur mit Hülfe der Kapitalisten von Hongkong entstanden! Jetzt haben dieFranzosen weiter nichts zu thun, als sich in dem verhältnissmässig nahe gelegenen, blühendenJünnan neue Märkte zu erobern, was dem auf andern Wegen dorthin vordringenden HandelGrossbritanniens Ungeheuern Abbruch thun würde. Auch sollten die Franzosen eine eigene Handels-flotte nach dem fernen Osten entsenden und nicht der germanischen Unternehmungslust denVorrang einräumen. Endlich und vor allem müssten sie im Lande ansässig werden, wie wir inCentralasien ansässig sind; dazu kann sich aber der moderne Franzose selten entschliessen.

Seine Kaiserliche Hoheit hat die Hauptvertreter der Colonie zu sich zum Frühstück auf diePamjat Asowa eingeladen. Er ersuchte dabei Herrn Piquet, den Einwohnern von Saigon seinenDank für den gastfreundlichen Empfang auszudrücken.

Man meldete uns dann die unerwartete Ankunft einer kleinen Deputation von Eingeborenenaus dem benachbarten Dorfe Fukeu im Kreise Tudaumot. Dort hatte man uns programmgemässeine Jagd auf wilde Thiere im rein annamitischen Geschmack aufführen wollen.

Die hiesigen Bauern sind nämlich sehr verwegene Leute, die, nur mit Lanzen bewaffnet,oft gruppenweise zum Kampfe gegen Tiger ziehen. In einem an dieses Dörfchen anstossen-den Walde war alles zum würdigen Empfange Seiner Kaiserlichen Hoheit reichlich vorbereitet.Als nun zu den armen Landleuten die Nachricht gelangte, dass der Besuch ihres Dschungelsaus Mangel an Zeit aufgegeben worden sei, wurden sie betrübt und ordneten einige Bonzen undAelteste ab mit dem Aufträge, dem Gaste aus dem mächtigen Norden (aus der Zauberprovinzdesschwarzen Tigers), dem hohen Reisenden, der soeben noch das den Buddhisten heiligeIndien besucht hatte, ihre tiefgefühlte, aufrichtige Verehrung zu bezeugen.

Die Eingeborenen erschienen in Begleitung ihres Gemeindevorstehers, eines sympathischenjungen Beamten, und überbrachten zwei lebendige Panther, einen rothlackirten Thronsessel, Ngai long,von mässiger Grösse, mit vergoldetem Drachenornament an den Lehnen und auf dem Sitze selbst