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§. 107. Dieses Kapitel sey nun mit, einer Betrachtung über die wirkungsartder wellen beschlossen. Die Bewegung der wellen, wenn man sie mit einiger Auf-merksamkeit betrachtet, geht nicht mit einer fortschreitenden Geschwindigkeit vor, nähm-lich da wo sie eine freye ungestörte Ausdehnung haben, d. i. wo sie sich bis zu der-jenigen Tiefe fortbewegen können, in welcher sie, nach Maasgabe der Kraft des windesundder Impulsion, die die Meereswogen wechselseitig ertheilen und erhalten, Wirken, undwo nicht Ebbe und Fluth ist*). Die Bewegung der wellen ist sonach illusorisch, undsie verändern nur ihre stelle, ohne mit einer Geschwindigkeit selbst fortzuschreiten;sie behalten ihre Schwingungen so lange, bis sie auf eine Fläche anrollen, welche ver-möge der coliäsion des Wassers und des Widerstands der Fläche, welchen sie dar-bietet, diese Schwingungen unterbricht. Kurz die Erhebungslinie einer welle isteine Isochrone und die wellen osciliren demnach in den Kogen einer cycloidc. Voneiner schrägen Fläche kann sonach die welle allmählig gebrochen werden, aber nichtvon einer verticalen wand, denn diese zerschneidet sie in einem Momente. Dahererhebt sie ihren Gipfel gegen eine solche wand und öfters werden die wellen doppeltso hoch als der verticale Gegenstand ist, vertical gehoben. Diefs ist z. b. der Fallbey der Anbrandung an dem Leuchtthurm aufdemEdystone Felsen Tab. 52. Wenn eine welleauf einen sanft ablaufenden Strand aufrollt, so trachtet sie, indem sie sich nieder-senkt, eine andere Welle zu bilden, und in Hinsicht der Isochrone und ihrer osci-lation mufs diejenige Geschwindigkeit, womit die eine welle steigt, derjenigen Ge-schwindigkeit womit die andere Welle fällt, gleich seyn. Aber die schräge des Strandesmacht, dafs die welle gehemmt wird ehe sie ihre oscilation beendigt hat. Die Isochroneist sonach abgekürzt und die welle stürzt in sich selbst zusammen, ohne die Schwin-gung zu gleicher Höhe fortzusetzen. In dem Fall, wenn die wellen auf schrägeFlächen auflaufen, haben sie daher eine Geschwindigkeit, oder eine fortschreitendeBewegung, mittelst welcher sie Körper, — z. b. Strandkiesel, oder sand — aufrol-len. Ist aber eine hinreichende wassertiefe vorhanden, so dafs die wellen bis aufden Boden nicht herabgehen, dann bleiben die Körper auf dem Boden liegen und dieSchwingung der wellen geht ungestört vor sich. Wir wollen nun noch die welleso betrachten, wenn sie auf das ufer anrollt. Indem sie sich so viel senkt, wie siesich erhebt, so werden alle wellen, wenn das Meer fluthet, eine die andere durch-schneiden und je höher das Meer gestiegen ist, desto mehr werden die wellen dieAbnahme des Strandes zu bewirken trachten, und zwar nach einer cycloide. DieseAbnahme kann aber nur erfolgen, wenn die welle oder ihre Schwingung eine hinrei-chende stärke hat, um das ufer abzuflächen. Dies hängt also von der Tenacität,welche die Materialien untereinander haben, ab. Die Meeres-wellen würden sonach ohnezweifei ein concaves ufer formiren, wenn nicht die schwere der Materialien undihre Tenacität oder Adhärenz eine convexität bewirkte. Daher sind auch die Kiesel,
(*) Montanari und Brünings nehmen die Bewegung der seewogen bis auf eine riefe von 30 bis 25 rufs an.
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