154
Strome erwarten, wo die Abwechslung der Geschwindigkeiten ganz unmerklich ist. Ineinem irregulären Flusse, dessen Bett bald fallt, bald steigt, könnte diefs noch ehergeschehen. Alsdann wird man nach der beobachteten gleichförmigen Gechwindig-keit des Wassers im stromstriche, entweder in der Oberfläche oder auf einer angenom-menen Tiefe, noch eine zweyte Eintheilung der visir-Stationen machen, die mit denaistanzen, 'worin die Abwechslungen der Geschwindigkeiten gefunden wurden, überein-stimmen. So lange aber, wie gesagt, die Ausmittelung, wo das Strom-Volumeneine veränderte Geschwindigkeit annimmt, solchen Schwierigkeiten, als bisher unter-worfen ist, dürfte es wohl das Rathsamste seyn, den Strom'nach dem steigen undFallen des' Bettes’ und nach den merklichen Abwechslungen in seiner Breite; und inHinsicht'derjenigen strombahnen, die beym wasserbaue vorzugsweise speciel anato-mirt werden müssen, erst nach den vorausgegangenen Geschwindigkeitsmessungen ingewisse Nivellements - Distanzen einzutheilen, so wie es am Rheine (Tab. 17.) gesche-hen ist, wovon die auf den S. 74. und 75. mitgetheilten Messungen nähere Auf-schlüsse geben.
Während nivellirt wird, mufs das steigen und Fallen des Stromes bemerkt werden,welches sich also ereignet, indem eine solche Distanz abgewogen wird. Wird diesesunterlassen, so kann weder der wahre Abhang, noch die wahre Neigung in Erfahrunggebracht werden. Es sey z. b. während das Gefall auf einer ränge von 72000 Fufsstromabwärts abgewogen wird, der Flufs 6 zoll gefallen, so wird beym Nivellementder Abhang um eben diese 6 zoll zu grofs angegeben werden, indem man alsdannerst das wahre Gefall erhält, wenn der Fall von 6 zoll beobachtet ist, und er vondem, durch das Nivellement unmittelbar erhaltenen Gefälle abgezogen wird; so wieman im GCgentheile beym wachsenden wasser soviel zu dem unmittelbar erhaltenenAbhang hinzu zählen mufs, als der Flufs während der zeit im ganzen gestiegen ist.Auf diese Weise ist auch das Nivellement am Rheine (S. 74.) bewerkstelliget worden. Esmufs daher jedes Nivellement auf einem und demselben wasserstand, der in Beziehung aufden niedrigsten d. i. in Beziehung auf den Nullpunct der längs einem Flusse gestelltenpegel angenommen wurde, reduzirt werden.
Endlich mufs noch von dem Abwägen der Oberfläche eines Flusses nach seinerBreite geredet werden; und da zeigen denn die Messungen, welche ich angestellt ha-be, dafs nur bey denjenigen stellen , wo die ganze Strommasse sich bis nicht weitvon den ufern mit einer ziemlich gleichförmigen Geschwindigkeit bewegt, die Ober-fläche des Flusses, dem Querschnitte nach, beinahe horizontal ist (Sieh S, 71.) Ausder rage der Oberfläche der Quere des Stromes nach gemessen, wird man einigermas'sen auf die Wirkungen der Eisgänge, die sich unstreitg nach demjenigen ufer mehrhinziehen werden, längs welchem die Oberfläche des Flusses niedriger, als längs dementgegengesetzten ist, schliefsen können. Ferner sollte ein solches Nivellement beysolchen Queerschnitten vorgenommen werden, welche zur Bestimmung der Geschwin-