434
der Fluth - und der Ebbestrom des Haringvliets damabls weit stärker wie gegenwär-tig seyn. Endlich wird jetzt der Fluthstrom des Haringvliets von der Hinderplatte,(f. I. t. 46.) welche ihm eine Barriere ist, indem sie das profil so sehr schmälert, sehrgeschwächt. Es sind demnach: die irregulaire Einströmung der Fluth; die Einschrän-kung des innern Busens; der fehlerhafte Abfiufs der Ebben durch das volkerak in dennramer, die allgemeinen Ursachen zu den sandplatten im Haringvliet gewesen.Kurz, die Verminderung des Fluthstromes hat eine Abnahme der mittlern riefe;eine Verkleinerung der Profile zur Folge gehabt.
Erwägt man nun alle diese umstände und den Gang der Natur, so wird es einleuchtend,dafs die zudämmung des Helvoet gegenüber liegenden Halses nur sehr wenig zur Schwä-chung des Fluthstromes im Haringvliet beytragen konnte, und dafs selbst der Hals doch sehrbald zu einer solchen Hohe hätte emporsteigen müssen (wozu auch die paaradeplatlemitwirkte) (t. 46.) vermöge welcher die ordinaire Fluth ihn ferner nicht mehr hätte über-strömen können. Was also die Natur einige Jahr später bewirkt haben würde, näm-lich eine formelle Scheidewand zwischen den Fluthen der Rieviere Bieningen und Ha-ringvliet, das hat man hier durch die Kunst früher gethan. So und nicht anders kön-nen wir urtheilen, wenn man dem Gange der Natur keinen Beharrungsstand, sondernein immerwährendes Fortschreiten zugestehen mufs.
Doch ich komme jetzt auf die neuesten Veränderungen und das gegenwärtigetocal dieser ströme. Vergleicht man nämlich einige der vorzüglichsten Karten desHaringvliets miteinander: so ergiebtsich, dafs im Jahr 1732 noch daselbst eine Tiefe von25 bis 40 rufs statt fand, wo gegenwärtig die irelvoeter platte (f. 1. t. 46.) liegt, obgleichdamahls die Stromrinne schon am nördlichen ufer hinlief. Das schmale zuiddiep voriviiddelharnis, einen Theil des Fluth- und Ebbestromes aufnehmend, existirte noch1732. Es trug zur Verstärkung des Fluthstromes der seemündung bey, indem esdiesem Strom ein Bett darbot. Nach einer andern Karte (zur Staatsresolution vom 18.Jänner 1758 gehörig) waren die Mündungen des zuiddiep bereits sehr versandet. In derEbbemündung hatte man zwar bey n (t. 46.) ein aus einem pfahlwerk bestehendes Schöpf-werk angelegt, aber vergeblich, w r eil der Ebbestrom jetzt nach den zwo Stromrinnendes Haringvliets einen weit gröfsern Abhang als in das zuiddiep hatte. Schon imJahr 1751 waren diese Stromrinnen vorhanden; die nördliche längs dem ufer vor Hel-voet; die südliche etwa 150 Ruthen von dem säum der Insel Flacquee entfernt. Daes durch jene bereits ^ stunden ebbt, wenn es in dieser noch fluthet, so wird mansie mit Ebbe-und Fluthstromrinnen bezeichnen können, welches in f. 1. t. 46. geschehen ist.
Jetzt wird es nöthig seyn, die Ursache, dann die Wirkung von der circulationdieser ströme zu untersuchen. Dieses Doppelstromes (im Haringvliet) Entstehung dürftedarin liegen: sobald nähmlich die grofse platte X in dem Haringvliet emporgestiegenwar ; nachdem der Kramer diesem Strome zu vieles Wasser entzogen; die Hinder-platte, des-sen Fluthstrom, die Versandung der Maasmündung dessen Ebbestrom geschwächt hatte: