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Die Damme auf diesen Inseln sind aber unentbehrlich, weil sie den Eintritt der Sturm«fiuthen in die Lagunen verhindern, welche den Untergang von Venedig bewirken wür-den, wenn sie ungehindert von srondolo bis st. wicolo über die vidi in die Lagunencintreten könnten, ohne von einer künstlichen seewehre aufgehalten zu werden. Dievenetianer haben daher mit Anwendung vieler Millionen diese Dämme, die wir jetztnäher kennen lernen wollen, angelegt. Sie fangen bey dem Fort quatro - cantordan, und gehen bis nicht weit von srondolo , wo sie sich bey b. v. di Marino an die-Sanddünen anschliefsen. Diese Bauwerke, so weit sie von steinen aufgeführt sind,heissen Murazzi. Sie wurden ungeachtet ihres starken Profils, womit der Leser ausxab. QO. bekannt wird, öfters zerstört, und zuletzt noch am 12. May und 16 July1802. Ehemals giengen die vidi weiter ins Meer als jetzt und waren auch höher; deswe-gen hatte man darauf blofs Erddeiche, Fig. 1., angelegt, und mit dem Tamarisken-baume bepflanzt, welcher wächst, wenn er auch zuweilen von dem seewasser bedecktwird. Dieser Seedamm bestand zum Theil aus Erde und Sand, woraus derjenige Theil,welcher von Quatro - cantoni nicht weit von malamocco geht, noch jetzt besteht. Diegrofse Böschung hatte demselben die stärke gegeben, weil auf die sanften Böschungendie seewellen anliefen, ohne dem Dammkörper einen besondern Nachtheil zu verursa-chen; besonders, da die äussere Böschung aus Erde bestand, wie ich denn hierüberseyspiele genug bey den holländischen seedeichen und seeuferbauten angeführt habe.Indessen hatte man die Erddämme zu niedrig angelegt, und die Sicherung ihres fus-ses oder des Strandes unterlassen: daher wurden sie von zeit zu zeit zerstört, unddie see kam den Lagunen immer näher. Die seemündungen wollte man mit pfahl-werken schützen. Man rammte die pfähle durch Faschinenlagen, und wart steine indie Zwischenräume. Diese verticalen werke, welche den Angriff der wellen vermeh-ren, wurden im Jahr 1661 sämmtlich zerstört, und mit ihnen die seedämme, vor de-nen man schief liegende hölzerne pfahlhöfter anlegte. Doch auch diese sind in denfolgenden Jahren ein Raub der see geworden. An ihrer stelle legte man Steinböschun-gen und Dämme, acht Schuh über den Boden der Lidi an. — Vergebliche Bemühun-gen! im Jahr 1708 wurde alles von den sturmfluthen begraben. Jetzt erst versenkteman zu den HÖftern einige Steinkisten; zu den Hauptanlagen wurde aber der Pfahl-bau angewendet, und man legte die in f. iv. v. und v-i., Tab. 90., dargestellten wer-ke an. Gerade mit diesen verticalstehenden werken, woran die wellen heftig an-branden, wurde ein hoher Wellenschlag, der die innere Böschung des Deiches angriff,mithin dessen Ruin verursachte, erzeugt. Wie diese Seebrandungen sich auf solcheverticale werke werfen, und dieselben angreifen, diefs habe ich in den bezeichnetenFiguren dargestellt. Doch ich darf mich über die Schädlichkeit solcher verticalen pfahl-werke hier nicht mehr verbreiten, weil ich dieselbe bereits hinlänglich dargethanhabe.