Band 
Erster Band mit acht und sechszig Kupfern.
Seite
632
JPEG-Download
 

G32

Fluth erreichen, um die wellen auf der Rhede zu mäfsigen, und die communicationzwischen dieser und den Meereswogen abzuschneiden. Auch bey einer kleinen Rhede ,als bey Granville, mufs der Meerdamm diese letztere Höhe erreichen, ja noch höherseyn, damit der Seemann nicht Gefahr läuft, darauf zu stossen; denn in einem be-schränkten Raum kann er, während stürmen, den befsten cours nicht einlialten, essey dann, dafs er schon von weitem die ihm gefährlichen Gegenstände ansichtig werde.

d) Uebrigens ist es allemahl besser, die Meerdämme hoch als niedrig zu machen,aber die oeconomie gebietet nur zu oft eine mäfsige Höhe. Dafs diejenige Hohe, wel-che bis zu f- der springfluth über die ordinaire Ebbe geht, schon die wellen auf derRhede mässigt, beweisen unter andern die tiefer liegenden sandplatten, vor der Rhede vonVlissingen und vor dem Maarsdiep. Es ist auch schon a priori einleuchtend , dafsdie Ondulation der Wasserfläche in einer solchen Rhede , die von einem Meerdamm ge-deckt ist, dessen Hohe so weit hinaufgeht, dafs die Basis der wellen sich unter seinerKrone hinabsenkt, gemäfsigt wird; denn der untere Theil von einer jeden welle wirdvon dem Meerdamm durchschnitten, folglich wird die welle in ihrer Schwingung ge-hemmt. Geht aber die springfluth so hoch hinauf, dafs ihr unterstes »rittheil unter-halb der Basis der w T ellen steht, so mufs auch der Meerdamm sich höher als dieses»rittheil erheben, weil derselbe sonst die Schwingung der wellen nicht sehr unterbrechenkann. Diefs ist jedoch nur da anzuwenden, wo die Fluth höher denn 25 Fufs steigt,und die Unterbrechung der Ondulation kann nur alsdann noch in dem Moment, wenndie Fluth ihre Hohe erreicht hat, statt finden. Fällt nähmlich das Meer, so senkensich auch die wellen.

e) In Meeren, wo keine riuth ist, wird man die Meerdämme wenigstens immer biszur Wasserfläche legen müssen, weil sie sonst dem Schilfer eine Klippe darbieten,denn sie bleiben ja beständig unter wasser. Soll der Meerdamm aber zugleich zurVerth ei digung dienen, so mufs er sich zehn bis zwölf schuh über die ordinaire Fluthoder über das Meer erheben.

$. 20. Die Hohe der seehafendämme wird von mehrern Rücksichten bestimmt,a) Die Hafendämme sollen die Hafenstrasse begränzen, damit der spühlstrom sie aus-tiefen könne. Da nur zur zeit der Ebbe gespülilt wird, so könnten die Dämme in derMähe der spühlschleusen, ein paar Schuh über die Fluth, und an der Mündung soviel über die Ebbe liegen. Wo demnach die Hafendämme nicht zum verkehr dienen,und sie die sturmfluthen nicht abhalten dürfen; wo vor ihnen her weit ausgedehnte sand-platten liegen, welche die wogen schon gebrochen haben, da mag man sie nicht höherals zur täglichen Fluth legen, wie z. b. im Nieuwen-Diep geschehen ist. Diese Hohemüssen sie aber immer erreichen, damit der Fluthstrom nicht täglich über sie seit-wärts hinfalle. Alsdann müssen aber in den Dämmen »uc-dalben stehen, um dieSchilfe daran legen zu können, b) Sollen die Hafendämme den Strandkiesel aufhalten,die Erhöhung des Strandes bewirken; oder ist die Einfahrt bey seestürmen gefährlich,