Band 
Zweyter Band mit sechs und vierzig Kupfertafeln.
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schleuse nahe liegen den Erdschichten in den Füllgrund und die schleusera»auera ?mufs aber durch Abführung desselben, entweder mittelst Abbohrungen oder in derOberfläche des Erdbodens angelegten Gräben verhindert werden; folglich kann ich nichtzugeben, dafs dasselbe den rüllgrund erweicht, seinen Zusammenhang aufhebt, mit-hin der besagte Druck ausgeübt werde.

Alle altern Theorien über den Druck der Erde gegen Futtermauern, welche auf dieAbrolluiig der natürlichen Erdmassen gebauet sind, können daher in der Praxis eineunbedingte Anwendung nicht finden. Im Gegentheil geben sie ein für die oekonomiezu grofses Besteck, wenn nämlich die iwauerarheit und die Materialien gut sind. Ebenso wenig kann man die von prony in seiner Arch. Lydr. Ö04. u. s. w. über dasAbrollen der Erde gegebene Formeln auf die Anlage der Mauern anwenden , weil sieein wirkliches Abrollen der Erde voraus setzen, welches doch nicht eine hinter einerMauer festgestampfte Erdmasse zu bewirken strebt, da , wie gesagt, die cohäsionihrer iheile sie daran verhindert, und das nur alsdann erfolgt, wenn die Futtermauerabgebrochen, und die Erde gänzlich von Nässe durchdrungen, d. i. , erweicht ist.

Bey den schleusenmauern treten überdies zwey Rücksichten ein , die bey denübrigen Stützmauern nicht verkommen und auf ihre Dicke einigen Einflufs haben,l) Ihre vordere wand mufs vertical aufgeführt werden. 2) Müssen die Thoranker in dieMauern tief genug hinein geben, damit die wendesäule des -Flügels nicht aus ihrenverticalen stand weicht. 3) Müssen die schleusenmauern bis zum höchsten wasser-stände hinauf eine solche nicke erhalten, dafs das wasser nicht durch dieselben ein-dringen könne, ad l) Sehen wir daher, dafs die über die nach Aussen mit Böschun-gen aufzuführenden Mauern gegebenen Formeln und Regeln eigentlich bey schleusen-mauern, an denen die in Abstuffungen getheilte Böschung an der innern Seite ange-bracht werden, keine stricte Anwendung findet, ad 2) und 3 ) ist es aber einleuchtend,dafs auch die vom Ingenieur woltmann gegebene Theorie, von welcher ich im erstenBande der uehersicht der Wasserbaukunst die Hauptsätze angeführt habe, auf schleu-senmauern keine Anwendung finden: denn wer würde es sich wohl getrauen, einerneunzehn schuh hohen schleusenmauer an der Grundfläche nur eine Dicke von 5,289Schuh zu geben, selbst in dem Fall , wenn der gebrauchte mörtel fehlerhaft befun-den werden sollte, welches Hr. woltmann annimmt. Diese Voraussetzung kann aberbey Verfertigung der schleusenwände niemahls statt haben, sondern vielmehr müssendieselben aufs sorgfältigste mit wasserdichten Mörtel gemauert, und von guten steinenaufgeführt werden, wenn sie von Dauer seyn sollen. Dies ist noihwendig, weil sieoft dem wasser und der Trockne ausgesetzt werden, und durchaus der Gebrauch derSchleusen es nicht erlaubt, dafs ein einzelner rheil der Mauer sehr beschädigt werde,oder wohl gar ausweiche; zumal die schiffsleute sich wenig um die Conservation der-selben bekümmern, und wenn ein stein los ist, deren gleich mehrere heraus gebro-chen oder gestossen werden.