222
Jiunde. Nie wird demnach ein Militair - Ingenieur, ohne das Studium der Wasser-hauhunde, auf gründliche wissenschaftliche Kenntnisse gerechte Ansprüche zu ma-chen, berechtigt seyn !
Mit Hülfe der künstlichen Inondationen und den bombenfreyen casematirtenHaupttheilen oder gewölbten Batterien einer Festung, wird man auch zum sicherstendas Gleichgewicht zwischen der vertheidigung und dem Angriffe der Festung her-steilen.
§• 2. Zuweilen wird im Kriege eine künstliche auf kurze zeit verursachteAnschwellung der Flüsse und Bäche, ein wichtiges Hülfsmittel: die Gegenden unweg-sam zu machen, militärische Positionen und verschanzte Läger zu sichern, ja selbstden Feind aus Städten und Positionen zu vertreiben; auch die Umgebungen der be-lagerten Festungen dergestalt zu überschwemmen, dafs ihre Caseinatten, Wohnungenund wälle unbrauchbar werden. So giebt es mehrere Festungen, in denen man dieihnem Anfangs zur Vertheidigung dienenden oder durch sie fliefsenden Gewässer zuihren eigenen Verderben noch höher zurückstauen kann. Auch gegen die Belagererist dieses Hülfsmittel zuw'eilen anwendbar,, wie z. B. die Holländer bey der Belage-rung von Leyden gegen die Spanier gethan haben. Bey ollen Festungen, die an sol-chen Flüssen und Bächen liegen, welche etwas hohe und gegen die Festung zu , irreine Ebene auslaufende Ufer haben, kann eine inondation der umliegenden GegendStatt finden, wenn die Militär - Ingenieurs mit der in diesem werke gelehrten Con-'struction des Faschinenbaues vertraut sind. Belidor führt in seiner Wasserbaukunst§. Q34. zwey Beyspiele hierüber an : nämlich von La rere und coevörden . Er er-wähnt auch einer der wichtigsten Festungen Europens, der man auf diese Weise bey-kommen könnte, und ich vermuthe, dafs es Landau ist.
Dem Umstande, dafs der Faschinenbau, den Militär - Ingenieurs, nicht hinrei-chend bekannt ist, kann aber wohl nur allein die geringe Benutzung der Gewässer,,bey militärischen Stellungen und Angriffen zugeschrieben werden. Wüfsten dieselbendurch Erfahrung: dafs man in einer Nacht, einen 10 Fufs hohen Faschinendammauf eine Länge von 1000 Fufs mit 2500 Mann, den nöthigen wägen zur Beyfuhr desMaterials und mit 30 Faschinenlegern, aufzuführen im Stande ist: so würde man-cher Flufsbezirk (im Kriege) eine andere Richtung erhalten haben; von Festungenund Redouten abgeleitet oder davor aufgestaut worden seyn. Hätten die Mazedonierden jetzigen Faschinenbau gekannt, so würde die Belagerung von t yrus nicht solcheSchwierigkeiten gemacht haben. Wie manche militärische Position ist nicht an ei-nem oder dem andern Armeeflügel, mittelst schleunig zu bewerkstelligender Inonda-tion, äufserst vortheilhaft zu machen? Eine in einem Thale liegende wiese, durchdie ein Bach sich schlängelt, ist schon geeignet: solche ueberschwemmungen aufzu-nehmen. Als wiese deckt sie keineswegs eine Stellung, aber als Inondation voll-kommen.