Band 
Dritter Band mit zwey und dreyssig Kupfern.
Seite
238
JPEG-Download
 

238

Forts in reissende ströme, grub Minen unter wasser, und führte diese über Dämmeund andere Dämme über Flüsse.“ Die Belagerung einer so reichen und bevölker-ten Stadt, deren Volksmenge über 80,000 stieg, die den thätigsten Antheil an denNiederländischen Staatenbund hatte, die sich durch einen hohen Freyheitssinn so oftaussprach, und ihre unbeschränkte Religionsfreyheit im voraus von der spanischenintoleranten Herrschaft zerstört sah; von deren Besitz die Bezwingung der Nieder-lande abhing, und die vermittelst der Schelde ihre Bedürfnisse bezog, mufste fürden Herzog von tarma eine höchst merkwürdige und wichtige Unternehmung seyn.Nicht sowohl ihre Festungswerke als die breite Schelde und der umstand: dafs Brüs-sel, Mecheln , Gent, Dendermonde und mehrere kleine Ports und Städte (1584) alsder Herzog auf das linke Ufer der Schelde , Antwerpen gegenüber, erschien , noch inder Gewalt des Bundes, um dessen Freyheit Antwerpen stritt, waren, bot der Bela-gerung nicht allein grofse Schwierigkeiten dar , sondern auch der umstand : dafs dasBelagerungs - Corps , kaum 10,000 Mann Fufsvolk und 1700 Reiter zählte, welchemes an dem Nothwendigsten gebrach, dafs der Mangel des Soldes schon zu einem ge-heimen Murren reitzte , welches in eine offene Meuterey auszubrechen drohte, unddafs endlich mehrere feste Plätze im Rücken der Armee gelassen werden mufsten.Selbst erfahrne Generäle des vom Herzoge zusammen berufenen Kriegsraths , dieweniger kühn als klug waren , zweifelten an einem glücklichen Erfolg; zwey davonstimmten dem Herzoge bey, der dem genialischen Antriebe, welcher den ausgezeich-neten Mann auf Bahnen, die der kleine entweder nicht betritt oder nicht endigt,mit glücklicher Sicherheit leitet, folgte. Denen, welche ihm die Bemerkung überdie geringe Anzahl seiner Truppen machte , antwortete er : 5> dafs an einer noch solangen Picke doch nur die Spitze tödte, und dafs es bey militärischen Unternehmun-* gen mehr auf die Kraft ankomme, welche bewege, als auf die Masse , welche zubewegen sey.“ Je kühner seine Unternehmung war, je gigantesker die dazu erfor-derlichen Anstalten seinen Truppen erschienen, desto mehr erhöhte er ihre Theilnahme,ihre Anstrengung, ihre Ausdauer, und ihre Habsucht nach der Beute, die das reicheAntwerpen versprach. Aber nur durch den Hunger konnte Antwerpen bezwungen•werden ; diesen furchtbaren Feind aufzuregen, mufsten alle Zugänge zu Wasser undzu Land verschlossen werden. Um dieser Festung fürs Erste jeden Zuflufs von See-land , wenn auch nicht ganz abzuschneiden, doch zu erschweren , wollte man sichaller der Schanzen bemächtigen, welche die Antwerper an beyden Ufern der Schelde,zur Beschützung der Schifffahrt, angelegt hatten, und wo es anging, neue, den Flufsbeherrschende, aufwerfen. Damit aber die Stadt von dem innern Lande die Bedürf-nisse nicht bezöge, mufsten alle umliegenden Städte Brabants und Flanderns in dem Plander Belagerung berücksichtigt, der Fall Antwerpens aber auf den Fall aller dieser Plätzebegründet werden. Ein kühner Entwurf, den das Genie seines Urhebers rechtfer-tigte , und das Glück mit einem glänzenden Ausgang krönte. Unterdessen ward die