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DRITTES BICH.
selbst gemachte allgemeine Wahrnehmungen, und das Un-genügende der physikalischen Begründung wurde verdecktdurch religiöse teleologische Phrasen, die indess, so wenigals die Physica sacra, hinreichlen, mn die Zürcher Geist-lichkeit für den im Verdacht der Freidenkerei sichenden Sch.günstiger zu stimmen. — Der Weg war indess eröffnet, unddie fleissige Sammlung von Nachrichten über merkwürdigeGewitter, Lufterseheinungen, ungewöhnlich trockene oderkalte Jahre, Erdbeben etc. ist von Scheuchzer’s Nachfolgernstark benutzt worden. Wir finden hier zuerst nähereAngaben über die Eigcnlhumliehkeiten und Wirkungen desFöhnwindes, über periodische Thalwinde, über die Kntsle—liung und die Vorboten des Begens in der Gestalt und Lageder Nebel am Gebirge. Der Schwefelregen wird, wie vonWagner, durch Bliithenslaub erklärt, der Blutregen be-zweifelt oder von lnsecten hergeleitet. Unrichtig Et die Er-klärung des Thau’s, als eines Erzeugnisses der Verdunstungder Pflanzen, oder des Erdbodens, des Reifs als gefrornenThau’s, des Hagels als gefrorner Regentropfen. Beachtens-werth ist die Bemerkung, dass der Hagel in den Gebirgs-thälcrn, wie in Glarus , Gaster, Wesen, Wallis . weit seltenersei, als in dem vom Gebirge entfernteren Flachland. DieIrrwische werden, nach Ray, von fliegenden Leuchtkäfern,die Sternschnuppen, nach Geoffroy, von fallendem Nostochergeleitet. Vom Jahr 1708 an wurden von Sch. auch täg-liche Beobachtungen des Barometers, Thermometers, derBeschaffenheit der Luft, der Regenmenge und der Höhe derLimmat nach Paris gesandt, und mit den dortigen Beobach-tungen von Maraldi oder de la Hire verglichen. Auf dieseW’eise erkannte de la Hire, dass in der Nähe der Gebirgemehr Regen falle, als in grösserer Entfernung von den-selben. — Einzelne meteorologische Gegenstände wurden inden vielen von Scheuchzer verfassten Dissertationen be-handelt. So beschreibt das Cirlum triste ad Julias Calendas