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Geschichte der physischen Geographie der Schweiz : bis 1815 / von B. Studer
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BERN ZUR ZEIT VON A. V. HALLER.

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geistigen Leben, das diese Epoche auszeielmet, war auchdie Schweiz innig verflochten, und in allen Richtungen, diedas Zeitalter verfolgte, treffen wir auf Haller, als kräftigeingreifenden Genossen: in der Poesie, wo sein Gedicht überdie Alpen so viel als die Bemühungen von Bodmer undBreitinger zur Läuterung des Geschmacks beitrug, in derPhilosophie als Gegner von Voltaire , in der Naturwissen-schaft als Begründer der Physiologie, als ersten Anatomenund Botaniker seiner Zeit, im Schulwesen als Bekämpferder Einseitigkeit der Lateinschulen und Begründer des neuenWaisenhauses seiner Vaterstadt, als Beförderer des Auf-schwunges der Universität Göttingen und eifrig bemüht umdie Reorganisation der Akademie in Lausanne .

Al brecht von Haller (1703-1777) von Bern , einNachkomme des p. 107 erwähnten Johannes Haller, Probsteszu Interlaken , von seinem älteren Sohne Johannes, Dekanin Bern , hatte in früher Jugend sich ausgezeichnet. Alsachtjähriger Knabe machte er aus Moreri und Bayle Aus-züge von 2000 biographischen Artikeln; im neunten Jahreschrieb er latein und griechisch; im zehnten soll er seinenersten poetischen Versuch, ritte lateinische Satyre auf seinenpedantischen Lehrer Baillodz, verfasst haben. Frühe zurTheologie bestimmt, gewann er, 1722, in Biel bei demArzt Neuhaus, dem er auf einige Zeit, seiner Gesundheitwegen und zum Unterricht, unverdaut wurde, Liebe zurMeriicin, und bezog, 1723, noch nicht 15 Jahre alt, Tü­ bingen , um Anatomie und die übrigen Grundlagen der Heil-kunde zu sludiren. Zwei Jahre später begab er sich unterdie Leitung von Boerhaave und Albinus nach Leyden underwarb sich daselbst, 1727, die Doctorwürde. Boerhaave er-kannte bald die reiche Begabung seines jungen Schülersund blieb ihm auch später befreundet, ln Leyden trat Haller zusammen mit Johannes Gessner , mit dem er nachher stetsin der engsten freundschaftlichen Verbindung blieb. Nach