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VIERTES BUCH.
von Rougemont bei Saanen . Sie enthält, obgleich nicht aufMessung beruhend, wesentliche Verbesserungen der früherenKarten und sucht auch das Gebirge naturgetreu darzustellen.Fehler sind allerdings nicht ausgeblieben. So lässt Loup dieLucerne, welche durch den Bergsturz der Diablerets, 1714,aufgestaut wurde, früher gegen die l’issevache zu in dieRhone fliessen.
Die Karte der Schweizeralpen, welche Grüner, inzwei Blättern, Mittag oben gesetzt, seinen Eisgebirgen bei-gefügt hat, ist in ihrer Grundlage der Scheuchzer’schcn ent-nommen, gibt aber, besonders im Berner-Oberland , eine Mengeneuer Namen, welche Gruner’n durch Correspondenz warenmitgetheilt worden. Von richtiger Stellung dieser Namenund angenähert treuer Situationszeichnung ist nicht die Rede.Die Gebirgsnamen scheinen auf’s Gerathewohl eingesetzt undzu jedem wurde ein Bergstock gezeichnet, alle getrennt undvon gleicher Höhe.
Einen wichtigen Beitrag zu einer gründlichen Verbes-serung ihrer Karten erhielt die Schweiz durch die Vermes-sung von Frankreich unter Cassini. Ihre westlichenGrenzen wurden hiedurch trigonometrisch mit dem genauorientirten Dreiecknetz von Frankreich verbunden und auchtopographisch durch detaillirte Situationszeichnung darge-stellt. Zugleich diente ihr diese Arbeit zuin Vorbild undbelehrte sie, auf welchem Wege allein eine naturgetreue,mathematisch richtige Karte des Landes zu erhalten sei.
Die Regierung von Bern scheint zuerst es erkannt zuhaben, dass der Staat hier einzuschreiten habe. Die genaueAufnahme des grossen und gebirgigen Cantons Bern über-stieg auch offenbar die Kräfte eines Privatmannes, und dievorhandenen Karten von Schepf, Plepp und Zollinger stan-den hinter denjenigen von Zürich , Schaffhausen , Basel undNeuenburg weit zurück.