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FÜNFTES BUCH.
Pini ') gibt eine nähere Beschreibung der Gotthard—granite und bestreitet die Schichtung derselben. Wo er dieparallel scheinenden Spalten derselben weiter verfolgt habe,hätten sie sich verloren, oder sie seien keilförmig zusammen-geslossen; die Structur sei prismatisch oder polyedrisch,nicht tafelförmig, wie in Kalksteingebirgen. Es war in derEntgegnung gegen diese Behauptung, dass de Saussure denTadel über eine mikroskopische Methode in der Geologieaussprach.
Auch Storr 2 ) hat im Gotthardgranit keine wahrenSchichten erkennen können. Sein Werk ist reich an spe-ciellen petrographischen Angaben, die aber, der fremdartigenNomenclatur wegen, oft unverständlich, oder auch, wo mansie richtig aufgefasst zu haben glaubt, mit Vorsicht anzu-nehmen sind. So hält er, I. 87, die Nagelfluh bei Thun fürKalkschiefer; die Gebirgsart des Mettenbergs in Grindelwald nennt er richtig Kalkstein, diejenige des Faulhorns aberHornstein, eine Benennung, die er später auch für denBundnerschiefer gebraucht. Die geologische Uebersieht derAlpen in der Vorbereitung, nach welcher die Vorderalpen,das Gebiet der Mollasse, vorherrschend aus Kalkstein, dieMittelalpen aus Thonschiefer (Hornstein), die Hochalpen ausGranit (GlaswackeJ bestehen sollen, scheint eher den da-maligen geologischen Systemen entnommen, als aus eigenerBeobachtung hervorgegangen zu sein. Ueber die Spurenvon Veränderungen, die das Helvetische Alpengebürge durcheine grosse Nalurbegebenheil erlitten zu haben scheint 3 ),äussert Storr wunderliche Gedanken. Die grossarligen Zer-störungen in den Hoch- und Mittelalpen, die Entstehung derThäler, die Bildung der Nagelfluh, die Zerstreuung grosser
') Pini, über den Gotthardsberg, p. 134 u. f.J ) Storr, Alpenreise II. p. 60.
*) Höpt'ner’s Magaz. ].