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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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frisch gefallenen Schnee warmer Regen fällt, der danndie Niederschläge der vorhergehenden Tage ganz undhalb aufgelöst mit in die Tiefe führt. So wurde deram 25. und 26. September 68 in den Bergen Grau-bündens gefallene Schnee durch die starken Regender folgenden Tage aufgelöst und trug erheblich beizur Yergrösserung der in Kapitel II. geschildertenKatastrophe.

Oft hat man in den Gletschern die eigentlichenUrheber der Wasserverlieerungen gesehen, im Allge-meinen sicher mit Unrecht. Das Abschmelzen derGletscher ist am stärksten im Sommer, besonders gegenMittag. Die bei starkem Regen aus dem Gletscher ab-fliessende Wassermenge ist bedingt durch die Temperaturder Luft und die Menge und Wärme des auf ihm nieder-geschlagenen Wassers. Ganz allgemein kann man dahersagen, dass Herbstregen die Gletscher weniger ab-schmelzen und ein geringeres Wachsen der Gletscher-bäche bedingen, als die des Sommers. Die Temperaturerniedrigt sich besonders vom September zum Octoberbedeutend (Bernhardin nach 5 Jahren September 7,21°,October 0,88°; der Gr. St. Bernhard nach 10 JahrenJuli 7,39, August 5,93, September 5,01, October 1,35°),ünd überdies haben die Gletscher durch die Einwirkungder Sommersonne einen Theil der Schneedecke ver-loren.

Die obige Behauptung, der Zuschuss von Gletscher-wasser sei bedingt durch die Menge und Wärme desRegenwassers, bedarf noch des Beweises.Wenn manein Kilogramm fein zerstossenes Eis, welches genaudie Temperatur von 0° hat und ein Kilogramm Wasser,solches eine Temperatur von 80° C. hat, zusammen-schüttet und diese Mischung gehörig umrührt, so wirddas Eis vollständig flüssig. Hat man den Versuch vor-sichtig angestellt, so ist die Temperatur von 2 Kilo-