Buch 
Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
 

42

untere Ahrn- oder Taufererthal hat nur ein Gefall von0° 20 Minuten, während Seitenbäche, wie der vomMorgenhofei kommende Mühlbach 12° 40 Minuten ge-neigt sind. Mächtige Schuttkegel (bis 200 m. hoch!)zwingen die Ahr häufig zu Serpentinen und bezeugendie Energie, mit welcher die Wildbäche in den vorzugs-weise aus Glimmerschiefer bestehenden Bergen gearbeitethaben.

Schon einmal im 14. Jahrhundert, dann 1602 und1617 hatte das Thal Katastrophen erlebt wie die desvergangenen Jahres, Bazing 1 ) spricht 1872 von schreck-lichen Murverwüstungen, die Aecker und Wiesen inSteinwüsten verwandelt, Häuser weggeschwemmt oderin Schlamm und Sand begraben haben. „Die Sturz-fluthen sind von den Bergen der Südseite (d. li. denZillerthaleralpen) in Einsenkungen herabgeströmt, diefrüher ohne Zweifel mit Holz bewachsen waren, dannaber kahl gelegt hindernisslose Binnen für thalabwärtsstürzende Wassermassen wurden. In der obersten Prettau bildeten bis nahe an die Schneegrenze vor nicht langerZeit die Zirben in ununterbrochener Längenausdehnungdie schönsten Bestände, jetzt sind sie verschwundenund an ihre Stelle ist die trostloseste Oede getreten.“

Der Sommer 1878 hatte bereits viel Begen gebrachtund das Erdreich auf den Bergen weich gemacht, als inder Mitte des August die heftigen und sehr warmenBegengüsse folgten, 2 ) welche vermehrt durch dieGletscherwasser der Zillerthaleralpen ihre verheerendenFluthen in die Thäler sandten. Im oberen Thal warenauf der Strecke von St. Johann bis Luttach natürlich

0 „Waldverwüstung in Tirol“ Z. d. D. u. Oe. A. Y. 1872.

2 ) Hirten sagten, „man habe baden können“, Messungen derRegenhöhe fehlen, erst jetzt sollen 7 Stationen im Ahrnthal er-richtet werden. Mitth. d. D. u. Oe. A. V. 1879 pag. 3.