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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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nuten geneigt ist. 1 ) Schon die Etsch lagert auf demGlurnser Boden Geschiebe ab, mehr noch die aus demMünsterthal kommende, unmittelbar hei Glurns ein-mündende Ram und etwas unterhalb der Bach desMatscherthaies, in dem die Eolgen der Waldverwüstungan den von Runsen zerrissenen Abhängen in erschrecken-der Weise vor Augen treten. Im Münsterthal 2 ) siehtman eine Menge ganz unbebauter Schuttkegel. Dievon den wilden Durettas herunterziehenden Runsen be-drohen mit ihren Schuttwalzen die Ortschaften Yalcavaund Euldera; in St. Maria stieg die Mur der vereinigtenWildbäche Schais und Muranza 1846 zu einer Höhevon 6 m. und der oberhalb Münster im Sommer meisttrocken liegende TanterRuinas hat 1855 für 148800 GuldenSchaden angerichtet. Yon den kahlen verrüften Berg-hängen werden noch unterhalb dieses Unholds vieleSchuttmassen zur Ram hinabgeführt, die Alles, was sietransportiren kann, auf den Glurnserboden hinahträgt.

Ein schneereicher Winter, sehr warme Frühlings-luft undRegen, die in 20 Tagen ein Sechstel dermittleren Jahresmenge in Tirol erreichten (Simony)brachten im Juni 1855 unsägliches Elend über dasThal. Die Seen brachen aus und rissen bei BurgeisHaus um Haus in die Wogen des Stromes, der seinBett in einer Viertelstunde zu doppelter Breite aus-wühlte; weiter unterhalb ward Schleiss halb von derEtsch weggeschwemmt, zur anderen Hälfte von denMuren des Schlinigbaches begraben. Glurns selbst warin Gefahr, verschüttet zu werden, trotz seiner Mauern,

) Simony giebt pag. 460 und 461 ein Nivellement derganzen Etsch in 4 Columnen. Meereshöhe, Höhen-Differenz derOrte, Entfernung, G-efäll 1 : X. Angaben in Klaftern undWiener Eussen.

2 ) Unt. d. Schweiz . Wildbäche pag. 7585.